[Serie] Hellsing Ultimate OVA X (2012 JP)

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Alucard, Seras Victoria, Lady Integra Fairbrooks Wingates Hellsing… sie alle haben wir nun schon durch 9 OVAs und ein Special begleitet. Nun folgt mit OVA X das letzte Puzzlestück im undurchsichtigen Gefüge des kriegsbesessenen Majors in der blutrünstigen Schlacht gegen den Grafen.

Handlung

Lady Integra und Seras Victoria betreten die abgestürzte Deus Ex Machina um dem Major entgegenzutreten. Dabei müssen sie jedoch erst den Hauptmann passieren, der nun sein wahres Selbst offenbart. An anderer Front scheint der Verräter zur Strecke gebracht zu sein, dennoch schwebt Alucard in größerer Gefahr als ihm bewusst ist. Wird dem Grafen seine eigene Arroganz zum Verhängnis?

Die Serie

Endlich ist es da: Das große Finale. Der Schlussakkord, der alle Fäden zusammenführt und die rohe Gewalt auf ihren dramatischen Höhepunkt zusteuern lässt. Millionen (unschuldiger) Menschen Großbritanniens mussten ihr Leben aufgrund des ungebrochenen Willens des Majors lassen, um den Vampir Alucard in die Schranken zu weisen. London brennt, die Straßen sind in Blut getränkt.
Dabei ist es schon verrückt zu betrachten – nach all dem was uns die Macher der Hellsing Ultimate-Reihe bereits visuell vor die Nase gesetzt haben – wie gemäßigt sich die Serie ihrem Ende zuneigt. Die ungebremsten Gewaltorgien, welche bis ins letzte Detail in den vorangegangenen OVAs zelebriert wurden, die katastrophale Zerstörung einer ganzen Stadt – das alles verliert zwar keineswegs an Bedeutung, so rückt es dennoch nun in den Hintergrund, um den Akteuren die Bühne zu lassen. Auch hier mögen die Extremitäten wieder glanzvoll und in hohem Bogen fliegen, dennoch ist die Geschichte nah an den einzelnen Figuren dran. Etwaige Nebenplots werden aufgelöst, sodass keine Fragen übrig bleiben. Der Major sitzt in seinem abgestürzten Millennium-Zeppelin und erwartet die Konfrontation mit Lady Integra und Seras Victoria, während Alucard, oder viel eher Girlycard, dem kleinen Revoluzzerbengel und Verräter Walter die Leviten liest. Wer dabei aber nun ein letztes Aufbäumen der zehnteiligen Animeserie erwartet, der wird womöglich enttäuscht. Hier gibt es keine so dermaßen ausufernden Kämpfe wie in sämtlichen vorangegangenen OVAs, ja wie gar der in der OVA IX, als schneidige Drähte ganze Häuserfassaden zum Einsturz brachten. Viel eher zeichnet sich hier ein trostloses und melancholisches Bild der Konsequenzen dieses Krieges ab. Etwas, das nicht nur visuell hochwertig mit zahlreichen Flashbacks die vergangenen Ereignisse reminisziert, sondern auch ein Gefühl des Unwohlsein beim zusehen hinterlässt. Diese OVA zieht ganz klar einen Schlussstrich, was so manche Figur gerade rückt und dabei ausgesprochen oft wehmütig zurückblickt. Ob auf Schicksale, Entscheidungen oder das große Ganze. Dabei reicht schon ein kleiner Blickt auf die Konfrontation Seras‘ mit dem Hauptmann, der in einem Regen aus Gold und Schmuck mündet. Alles Besitztümer, die einst während des Holocausts ihren Besitzern gewaltsam entrissen wurden und seither auf ihre Verarbeitung warteten… oder die Thematik rund um Alucard und die unzähligen Leben, die auch er ausgelöscht und in sich selbst aufgenommen hat, was bereits in OVA VIII einen großen Teil der Geschichte für sich beansprucht hat. Hier werden etwaige Gedanken zu einem konsequenten Ende geführt und eleganter lässt sich das verschachtelte Geschehen kaum lösen.
Der große Knall bleibt dabei aus, und tatsächlich bin ich mir noch immer ziemlich uneins darüber, wie ich das nun sehen soll. Natürlich definiert sich Hellsing Ultimate über diese exzentrischen Ausbrüche, an deren Spitze meist der Graf höchstpersönlich wartet. Dennoch wird die Reihe aus der Feder von Kohta Hirano nicht müde, sich auch im letzten Teil etwas Eigenständiges abzuringen. Hier werden wieder andere Töne angeschlagen, die bisher in dieser Form nur sehr selten als Randerscheinung auftraten und nun eine ganze Folge in Überlänge tragen sollen. Sicherlich ist das ein Spiel mit den Erwartungen, andererseits wird so wieder der Bogen zur, nun ja, grundsätzlichen Bodenständigkeit zurückgeschlagen, was bei Hellsing Ultimate nun wirklich nicht immer der Fall war. Eine Rückkehr zur Normalität? Keineswegs. Ein neuer Anfang? Womöglich. Nur wie der aussehen wird, das müsst ihr euch schon selbst ansehen.

Das Handwerkliche

Zwar dürfte es wenig verwundern, dennoch ist der langjährige Produktionsprozess der Serie bemerkenswert. Von 2006 bis 2012 klemmten sich mindestens fünf verschiedene Animationsstudios hinter die Reihe und locker genauso viele Regisseure plus dutzende Zeichner, respektive Grafiker. Und das Resultat ist erstaunlich:
Jede Phase der Reihe, ob von Satelight (OVA 1-4), zu Madhouse (OVA 5-7) oder schlussendlich auch von Graphinica (+ Kelmadick & Marvy Jack) (OVA 8-10 inkl. The Dawn) getragen, hält ihre eigene Stange aufrecht. Die Stile vermitteln allesamt einen Wiedererkennungswert für sich und dennoch ist nichts Schlechtes daran zu entdecken. Natürlich steigert sich die Qualität merklich, sodass im Finale selbst sonst so störende CGI-Elemente nahtlos mit den restlichen Animationen verschmelzen. Und doch liegt gerade hierin der Reiz. Statt sich stur auf eine einzige Machart zu versteifen, erhalten unterschiedliche Künstler die Möglichkeit, ihre eigenen Stile einzubringen, um so den hohen Anforderungen der Audiovisualität von Hellsing Ultimate Sorge zu tragen. Und die wird nun mal stetig aufwändiger. Dafür hat schon allein Mangaka Hirano gesorgt, mit seinen an Größenwahn grenzenden Einfällen (rein optischer Natur natürlich)…
Die unterschiedlichen Schwerpunkte der einzelnen Studios lassen sich an Spielereien wie Schatten- oder Lichtdynamiken festmachen, an spiegelnden Brillengläsern oder flammenden Feuertiraden. Die abschließende OVA darf nun von sämtlichen Prozessen profitieren. Das Animationsstudio Graphinica legt eine unglaubliche Dynamik in die Bilder, etwaige hakelige Bewegungen bleiben gänzlich aus. Die einzelnen Szenenbilder fließen förmlich ineinander über und offenbaren auch in den Hintergründen angenehme Anpassungen an die optischen Erfordernisse im Vordergrund. Das Charakterdesign ist noch detailreicher und die Mimiken in den Gesichtern der Figuren sprechen ebenfalls Bände. Gut, das alles ist ein Prozess, der mal mehr, mal weniger offensichtlich vonstattenging, aber dennoch faszinierend zu betrachten ist, wenn man sich denn damit beschäftigen möchte.  Qualitativ ist das hier Spitzenklasse.

Da ich mich in den vorangegangenen Reviews bereits ausführlich zu unterschiedlichen Themen wie der Musik, den Animationsstilen, Synchronisation und ähnlichem gewidmet habe, möchte ich nun noch abschließend etwas zur japanischen Originalstimmbesetzung loswerden. Wie ihr unlängst wisst, ist für mich persönlich die deutsche Synchronisation ein Ohrenschmaus. Allem voran natürlich Torsten Münchow als Alucard, der die Arroganz und den Konservatismus seiner Figur für meinen Geschmack perfekt überliefert. Dennoch soll nun abschließend auch die Originalbesetzung ihr Lob erfahren. Die „Seiyū“ aus Hellsing Ultimate sind mindestens genauso stark und bringen mich tatsächlich etwas in Bedrängnis, so als obligatorische Synchronschauerin. Auch wenn sich das in letzter Zeit merklich gewandelt hat, so ist es doch nochmal ein kleines Erlebnis für sich, den Stimmen von Jouji Nakata (Alucard), Motomu Kiyokawa (Walter C. Dornez) oder Yoshiko Sakakibara (Lady Integra) zu lauschen. Aber das wisst ihr natürlich sowieso und macht es auch so wie ihr denkt. Das ist nur etwas, das schon längst überfällig war und nun auch geschrieben werden musste. Ihr versteht.

DVD-/BD-Verwertung

Auch die letzte Veröffentlichung aus der Hellsing Ultimate OVA-Serie erfährt durch nipponart die Veröffentlichung im edel gemaserten Mediabook auf Blu-ray und DVD. Der FSK-16 Aufkleber ist leicht zu entfernen. Dabei liegt dem ganzen wieder ein schmales Booklet zugrunde, in dem sich ausgewählte Charakterinformationen, eine Timeline aller relevanten Ereignisse der Serie, sowie ein ironischer Kommentar zur Produktion jeder einzelnen OVA befinden. Geschrieben in schmunzelnder Hellsing-Manier.
Die Laufzeit der Episode beträgt ca. 68 Minuten (uncut) und bietet wie gehabt die deutsche und japanische Tonspur mit zusätzlichen deutschen Untertiteln. Dabei ist die verbesserte Klangqualität (DTS-HD MA 5.1) für nun beide Spuren zu erwähnen, was bei den vorangegangenen Episoden lediglich der deutschen Tonspur gegönnt war. Auf der Disk befindet sich ansonsten noch der blanke Abspann der Episode.

Fazit

Mit OVA X erhält die moderne Vampirsage rund um Alucard, einer der lässigsten Verkörperung des Grafen, einen gebührenden Abschluss, der weitestgehend auf großen Wirbel verzichtet. Zwar lässt es sich die Regie rund um Kenichi Suzuki und Yasuhiro Matsumura nicht nehmen, auch hier wieder ein paar Liter Blut zu vergießen, dennoch rückt das gewaltsame Vorgehen (weitestgehend) in den Hintergrund. Herausgekommen ist dabei eine ehrliche Aufarbeitung der gesamten Geschichte, die sich bis zum Schluss ein paar Trumpfkarten im Ärmel behält. Ein Ende das konsequent ist und nicht nur wegen dies abschließenden Charakters für bittersüße Melancholie sorgt.

OVA I: 7,5/10 Punkte
OVA II:  8/10 Punkte
OVA III: 8/10 Punkte
OVA IV: 9/10 Punkte
OVA V: 10/10 Punkte

OVA VI: 6,5/10 Punkte
OVA VII: 10/10 Punkte
OVA VIII: 10/10 Punkte
OVA IX: 10/10 Punkte
OVA The Dawn: 5/10 Punkte
OVA X: 7,5/10 Punkte

Hellsing-Ultimate-OVA-X---CoverHellsing Ultimate OVA X
Jahr: 2012 JP
Genre: Action, Horror, Military, Seinen, Supernatural, Vampire
Regie: Kenichi Suzuki, Yasuhiro Matsumura | Drehbuch: Hideyuki Kurata
Musik: Hayato Matsuo
Animationsstudio: Kelmadick, Graphinica & Marvy Jack
Sprecher (orig. – deutsch):
Alucard – Jouji Nakata – Torsten Münchow
Seras Victoria – Fumiko Orikasa – Shandra Schadt
Schrödinger – Ryouko Shiraishi
Der Major – Nobuo Tobita – Gerhard Jilka
Sir Integra Hellsing – Yoshiko Sakakibara – Simone Brahmann
Walter C. Dornez – Motomu Kiyokawa – Dieter Memel
DocHiroshi Naka Gerd Meyer
Pip BernadotteHiroaki Hirata – Ole Pfennig
Heinkel WolfeMitsuki Saiga – ?

Logo via Screenshot
© 2006 Kouta Hirano SHONEN GAHOSHA Co. LTD. / WILD GEESE

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