[Serie] Darker Than BLACK – Staffel 1 (2007 JP)

A night sky full of cries
Hearts filled with lies
The contract – is it worth the price?
A soul pledged to the darkness
Now I’ve lost it
I know I can kill
Does truth exist beyond the gates?

Manchmal versteht man die Welt nicht mehr. Oder den eigenen Verstand. Da gibt es Serien, die dir bereits in der ersten Folge den Mittelfinger entgegenstrecken und ihn 25 Folgen über konsequent vor der Nase herumwedeln. Denn Darker Than BLACK erklärt so rein gar nichts. Wirft Fragen auf und verweigert jedwede Antwort. Und trotzdem schleicht sich dieser Anime gänzlich unverhohlen in das serienaffine Herz. 

In der Welt von Darker Than BLACK tummeln sich sogenannte Contractors. Empathielose Menschen mit besonderen Fähigkeiten und zumeist darauf ambitioniert, andere Menschen oder Contractors zu töten. Einer dieser Kontraktoren ist Hei, ein vermeintlich chinesischer Student, den es nach Tokyo verschlagen hat. Er wirkt freundlich, doch sobald er sich seine Maske überzieht wird er zum gefürchteten Black Reaper, ein Auftragskiller des namenlosen Syndikats.

Das Setting der Serie ist ziemlich verrückt, genau wie die Serie selbst. Obwohl Tokyo modern und gegenwartsnah abgebildet ist, sorgt das angrenzende „Hell’s Gate“ für Düsternis und Verwirrung. Denn niemand weiß, was es damit auf sich hat und so schnell wird es auch nicht erklärt. Stattdessen werden Handlungsstränge eingebaut, die Platz in einer Episode finden, ehe sie an anderer Stelle in einem beiläufigen Shot abgeschlossen oder aus der Serie gekickt werden. Ohja, das kann schon ganz schön wurmen. Aus einem schwer zu definierenden Grund liegt aber genau darin der Reiz. Diese Willkür, die ohne System in dieser Serie steckt, sorgt gleichermaßen für Unberechenbarkeit und Abwechslung. Wo die Filler permanent mit Fragen um sich werfen und im Gesamtkontext keinerlei Sinn ergeben, werden es gegen Ende jedoch genau diese Episoden, die den Figuren ihre Ecken und Kanten verleihen. Sind die Folgen noch so sinnlos, es steckt trotzdem sehenswertes in ihnen drin. Auch wenn man sich am Anfang etwas durchbeißen muss, ehe man sich mit dem frechen Stil der Erzählung arrangiert hat, oder aufgeben muss, weil es zu mühselig und nervig wird, den einzelnen Mini-Storyarcs zu folgen.

Dabei lässt Darker Than BLACK zu Beginn durchaus den Erklärbär raus. Informationen werden offenkundig unter den Leuten ausgetauscht. Jedoch zu keiner Zeit so, dass man wirklich etwas damit anfangen könnte. Fakten werden um sich geschmissen, aber einen Sinn dahinter muss man sich in dieser finsteren und morbiden Welt der Menschen und Kontraktoren schon irgendwie allein zusammenreimen. Es klingt wie bereits erwähnt vermutlich äußert wagemutig, wenn man der Serie aufgrund dieser Defizite trotzdem etwas abgewinnen kann.

Warum das so ist, liegt zum einen in der Art der Erzählung. Es ist verrückt, aber selbst wenn man genau weiß, dass auf die drängendsten Fragen keine Antworten am Ende der Staffel warten, so beginnt man sich zusehends mehr für die nebensächlich erscheinenden Dinge zu interessieren. Womöglich um beim Versuch um die Ecke zu denken doch eine Fährte zu entdecken, die zu des Rätsels Lösung führen könnte. Der andere Grund sind die Charaktere. It‘s simple as that. Denn wo nicht geschlampt wird, ist hier. Während Hei seine Tarnung als verfressener Mensch, der zwar zurückgezogen lebt, aber dennoch stets freundlich und etwas dusselig ist, so ist es sein Gegenpart, der Black Reaper, nicht. Zwischen Idylle und Mord, Moral und Narzissmus, ist er so facettenreich gestaltet, wie kaum ein anderer. Auch wenn es nur gespieltes schwarz und echtes weiß geben dürfte, so ist das keinesfalls der Fall. Ein weiterer Vorteil der Serie, was sich wieder mit der Unberechenbarkeit begründen lässt. Im Gegensatz zu Hei verkommt zwar jede andere Figur zur unterstützenden Nebenrolle, dennoch ist das kaum ein Manko, sondern räumt der Charakterbildung entscheidend viel Platz ein. Bei der Prämisse eine Kunst für sich, sorgen doch gerade deren Eigenschaften dafür, dass nur extrem wenig Angriffsfläche für die Persönlichkeitsentwicklung bleibt. Trotzdem wächst einem selbst das größte Ekel oder die ausdrucksloseste Miene ans Herz. Es ist eine Welt, in der man schnell erwachsen werden muss, um nicht frühzeitig das Zeitliche zu segnen. Besonders dann nicht, wenn das gesichtslose Syndikat scheinbar überall seine Augen und Ohren hat und dafür Sorge trägt, dass Heis Missionen erfolgreich verlaufen.

Was mich anfangs noch mehr als die eigenwillige Struktur irritiert hatte, war der Animationsstil. Da war ich wohl selbst schuld. Schließlich kam ich gerade von der fein detaillierten Serie Attack on Titan und finde mich dann in dieser von den Bones-Studios animierten fast schon groben, auf das Wesentliche runtergebrochenen Welt wieder. Die Zeichnungen sind rudimentärer Art und bis auf wenige Ausnahmen kaum auffällig, respektive markant. Die Effekte sind simpel und wenig beeindruckend. Eine ungeheure Dynamik fließt jedoch in die Animationen und füllt die zahlreichen Kampfsequenzen mit geschmeidigen Bewegungsabläufen, die wiederrum herausstechen. Auch hier brauchte es wieder eine Weile, überhaupt in diesen Stil einzufinden, was zusätzlich durch das Charakterdesign nicht einfacher zu werden schien. Ein Fehlschluss, der sich jedoch nach und nach ins Gegenteil umwandeln sollte. Wo am Anfang die pure Unterkühltheit in den Augen glänzt, sind es später diese leeren Augen, die der Serie ihre titelgebende Prägnanz verleihen.
Entweder man mag es, oder man mag es nicht. Der Zeichenstil ist sonderbar, dennoch sollte man sich etwas Zeit nehmen, um ihn setzen zu lassen, statt ihn vorschnell zu verteufeln. Zeichenstil und Charakterdesign sind gleichermaßen funktional und passen sich in das Gesamtgefüge gut ein. Das ist abwechslungsreich und der Story angemessen. Von anfänglicher Ablehnung hinüber zum Wohlwollen ist das doch ganz gut. Hier hängt es aber stark von den persönlichen Präferenzen ab.

Musikalisch betrachtet ist hier nicht viel zu holen. Obwohl Jazzgöttin Yoko Kanno ihrer Big Band den funkigen Jazz entlockt, bleibt zu wenig hängen, um den Soundtrack als besonders zu betrachten. Er erfüllt seinen funktionellen Zweck, und darauf lässt er es beruhen. Weitaus gelungener ist die deutsche Synchronisation, die sich definitiv im oberen Qualitätsbereich einordnen lässt. Und wenn dann noch David Nathan als schusseliger Privatdetektiv zu hören ist… dann verzeiht man auch den recht überflüssigen Plot um seine Figur.

Die erste Staffel von Darker Than BLACK ist wahrlich ein Kampf. Wer sich mit der zumeist wahllos erscheinenden Erzählung, die sich in kleinen Mini-Arcs fortbewegt, arrangieren kann, wird mit einem nicht zu aufdringlich geratenen übernatürlichen Mystery-Sci-Fi-Anime gut beraten sein. Obwohl sich gelegentlich seichte Comedyelemente einschleichen, bleibt der Grundton der Serie melancholisch und trist. Genau das hat was und lässt diese Serie angenehm erwachsen erscheinen.

7/10 Punkte

Darker-Than-BLACK---Staffel-1-CoverDarker Than BLACK [Darker than Black: Kuro no Keiyakusha; 黒の契約者]
Jahr: 2007 JP
Genre: Action, Mystery, Sci-Fi, Super Power
Regie: Tensai Okamura
Drehbuch: Kurasumi Sunayama, Shinsuke Onishi, Shôtarô Suga, Tensai Okamura, Yuuichi Nomura
Musik: Yōko Kanno
Opening: HOWLING – abingdon boys school
Studio: Bones

Bilder via Screenshots [© BONES]

Advertisements

3 Kommentare zu „[Serie] Darker Than BLACK – Staffel 1 (2007 JP)“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s