[Serie] Residue (2015 GB)

Residue. Abfall. Überbleibsel. Was nun aber genau übrig geblieben ist, als in einer dystopisch angehauchten Stadt irgendwo in England eine Bombe hochgeht und rund 8 Quadratkilometer Wohnfläche unbewohnbar macht, das weiß niemand so recht. Weder die Fotografin Jennifer (Natalia Tena; Game of Thrones), noch der Pressesprecher des Premierministers, Jonas Flagg (Iwan Rheon; Game of Thrones). Fest steht nur, dass eine Quarantänezone um das Gebiet errichtet wurde, um das umliegende Wohngebiet zu schützen.

Das ist die Ausgangslage von Residue, einer dreiteiligen britischen Miniserie. Klingt durchaus verlockend für Freunde der Mysterien und des Übernatürlichen. Denn dass mit der Quarantänezone irgendetwas nicht stimmen kann, das sollte schnell klar werden, weswegen sich neben Jennifer auch bald ein Polizist näher für das Sperrgebiet interessiert. Jeder folgt dabei anderen Spuren, bis sich ihre Wege kreuzen. Was sie sich dann zu sagen haben, das glaubt ihnen niemand.

Die Serie macht es mir außerordentlich schwer, sie bewertungstechnisch einzuordnen. Auf der einen Seite bietet sie eine packende unheimliche Grundstimmung, die mit vereinsamten Sets, spärlich beleuchteten Räumen und Neonschildern in der Dunkelheit spielt. Die Atmosphäre greift schnell und verpasst den ohnehin schon schwer zu erklärenden Ereignissen den letzten Schliff. Eine innere Unruhe breitet sich aus und sorgt gekonnt für einen nicht abschüttelbaren Hauch Gruselatmosphäre, ohne dass es explizit gruselig wird.

Und das ist auch der einzige Grund, die Serie zu ‚empfehlen‘. Denn mehr als einen 120 minütigen Piloten zu einer bisher noch nicht verlängerten Serie bietet Residue nicht. Es wird gerade genug erklärt um die Lust auf mehr zu entfachen, ehe die dritte Folge gezwungenermaßen in einem unsäglichen Cliffhanger endet und die Frage offen lässt, ob überhaupt eine Fortsetzung geplant ist. Alle Fäden werden so gekappt, das es nach einem viel zu clever anmaßenden Mysterythriller ausschaut, als es tatsächlich der Fall ist.
Zu viele unzusammenhängende Clichés reihen sich aneinander und wollen möglichst viele Objekte ansprechen. Von der beobachtenden Rolle einer Fotografin in der Gesellschaft, hin zum gebrochenen Polizistenstereotypen über den überheblichen Kopf(?) hinter den Ereignissen zu dem kleinen Mann, der sich als großer Fisch im Gangsterbecken wähnt und schnell merkt, dass er nichts zu melden hat. Zu oft spielt das Drehbuch mit platten Phrasen, die lustlos vorgetragen werden und der Serie einen gestelzten Charakter verleihen. Die Motive der Einzelnen sind zu überstreckt und ziehen dadurch wieder die aufgebaute Stimmung runter, weil die Rollenbilder zu bemüht wirken. Da lassen sich die Darsteller zu sehr von der unheimlichen Atmosphäre runterziehen, denn dass Natalia Tena, Iwan Rheon und Jamie Draven schauspielern können, das will man ihnen gar nicht absprechen. Aber wenn mit solch langweiligen Attitüden gehandelt wird, dann helfen auch fähige Darsteller nichts, um den verzapften narrativen Mumpitz zu retten, der noch dazu mit billigster CGI versehen wird.

Residue-Natalia-Tena-Jamie-Draven

Residue ist bisher ein unbefriedigender Appetizer auf eine volle Serie, die in noch nicht geklärter Zukunft folgt. Zwar beherbergt sie stimmungstechnisch eine Menge Potenzial, verzichtet dafür aber auf Erklärungen und einen tieferen Einblick in die Geschehnisse innerhalb der Quarantänezone, was in Anbetracht der Geschichte zu wenig ist. Aus diesem Grund verhält es sich mit der Serie so, als sei es nicht wirklich schade, wenn es sie gar nicht erst geben würde. Mal sehen wann und vor allem was da noch folgt.

Zu sehen ist die dreiteilige Miniserie derzeit auf Netflix.

4/10 Punkte

Residue-PosterResidue
Jahr: 2015 GB
Idee: Alex Garcia Lopez
Genre: Mystery, Horror, Supernatural
Cast:
Natalia Tena, Iwan Rheon, Jamie Draven, Danny Webb, Franz Drameh, Adrian Schiller, Eleanor Matsuura, Richenda Carey, Richard Crehan, Brian Ferguson, Richard Calder

Bilder © Netflix

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8 Kommentare zu “[Serie] Residue (2015 GB)”

  1. Also mir gefiel die Serie, klischeehaft oder langweilig fand ich da nichts, schon gar nicht lustlos. Und alle Polizistenfiguren in Filmen sind „Stereotypen“. Wie sollte ein Polizist in einer Mysteryserie auch sonst sein? Ganz natürlich? :))
    Ob man nun noch alles in einer anschließenden (Lang)Serie breittreten muss weiß ich nicht, auch wenn ich mich über drei weitere Folgen freuen würde.
    Okay das CGI war nicht so der Burner, da stimme ich zu, für eine Serie war es aber noch vertretbar.
    Aber gut, ist nicht jedermanns Geschmack.

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    1. Joa, das Ende kann man natürlich auch so stehenlassen um die eigene Interpretation zu erzwingen.
      Beim Polizisten ging es mir nur darum, dass er „mal wieder“ ein Trauma verwinden muss, mal wieder zur Flasche greift, mal wieder Stress mit den Kollegen hat, mal wieder… das typische Rollenbild verkörpert, nur um ins Bild der Serie zu passen. Sowas finde ich entsetzlich langweilig und wenn sich dann noch dröge Dialogzeilen dazugesellen, dann ist die Sache für mich sowieso gegessen. Die Dialoge kann man allerdings jeder einzelnen Figur ankreiden.
      Ist tatsächlich jedem seine Sache, wie er die Serie findet. Immerhin habe ich die drei Folgen auch mitten in der Nacht am Stück durchgezogen. Am Ende waren es dann aber doch ziemlich altbackene Muster, nach denen die Serie vorging. Hat mich z.B. oft an „Helix“ erinnert. Eine Serie, die ich ebenfalls doof fand. Noch mehr als „Residue“.

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      1. Ja gut, aber sonst hätte der Polizist wie Du schon sagtest hier keinen Sinn gemacht. Ich kann mit solchen Klischees ganz gut leben, wenn alles andere stimmt. Ich hatte die Serie letztes Jahr auch im Stück und ebensfalls irgendwann aus reiner Langeweile nachts angesehen, aber wie erwähnt, ich fand sie gar nicht so altbacken. Helix und mich verbindet eine Hassliebe. Einerseits fand ich sie in Ansätzen gut, aber insgesamt dann doch sehr dröge und dann dieses Staffelende. Schlimmer ist nur „The Strain“ die ich nur aus reinem Masochismus angesehen habe. :))

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        1. Ach „Helix“… hatte mich da nur durchgekämpft, wegen Hiroyuki Sanada. Und dann lohnte auch das nur so halb. „The Strain“ fand ich allerdings ziemlich fancy, weil hier weg vom verklärten Vampirromantismus gegangen wurde.

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