[Film] Infernal Affairs (2002 HK)

Lange habe ich nach dem richtigen Augenblick gesucht, meine Bewunderung für diesen Film Ausdruck zu verleihen. Wirklich lange. So eine Review will schließlich nicht leichtherzig verfasst werden, gerade wenn es ich um diesen einen Film handelt. Der, der persönlich alles verändert hat: Die eigene Rezeption, den filmischen Horizont, mein Verständnis für Filme.
Warum also nicht die Gelegenheit ergreifen, wo die komplette Infernal Affairs-Trilogie in Deutschland erstmals auf Blu-ray erscheint? Dank dem relativ neuen deutschen Label Nameless Media, die sich in ihrem Sortiment vorwiegend dem Sammlermarkt widmen und einige deftige Special- & Sammlereditionen anbieten – die zudem in Deutschland erstmals eine HD-Auswertung erfahren (werden) – haben sie sich ordentlich ins Zeug gelegt, eine ansehnliche limitierte Special Edition von allen drei Infernal Affairs-Teilen zusammenzuschnüren. Natürlich HD-Remastered und im edlen Mediabookgewand.
Und weil es namenstechnisch so schön passt, haben sie mir ein Exemplar zukommen lassen, dass ich euch auch abseits einer Review gerne vorstellen möchte. Mein Fanherz schlägt jedenfalls deutlich schneller. Aber kommen wir erst einmal zur gewohnten Review:

Review

Ich war ja höchst skeptisch, wie der Film bei der nun schon dritten Sichtung innerhalb von 4 1/2 Jahren wirken würde. Schon damals hatte er sich prompt in mein Herz geschlichen, dennoch muss ich gleichermaßen zugeben, dass Infernal Affairs – Die achte Hölle keiner der Filme ist, den man sich immer und immer wieder anschauen kann. Wie also wirkt ein solcher Film nach all den Jahren, den man innerlich auch über die Zeit hinweg mächtig hochstilisiert hat?

Die schrecklichste der acht Höllen wird die „Ewige Hölle“ genannt. Dies bedeutet immerwährendes Leid. Daher der Name.

Mit diesem Zitat und einem visualisierten Abstieg in die achte Hölle beginnt der Film. Eine Metapher, die gar nicht unmittelbar auf die Handlung selbst angewendet werden muss, sondern sich viel mehr um die Charaktere in der Geschichte dreht. Ein Leitmotiv dieses Undercoverdramas, in dem sich zwei Maulwürfe versuchen, sich gegenseitig zu enttarnen.

Für Undercovercop Yan (Tony Leung Chiu wai) gleicht der Job dem Dasein in der achten Hölle. Sollte er anfangs nur für drei Jahre in die Welt der Hongkonger Triaden eintauchen, wurden daraus schnell zehn. Eine lange Zeit, in der er allmählich merkt, wie seine Identität als Cop zu verwischen droht. Hat er sich doch schon längst ins Triadendasein eingelebt und das Vertrauten seines Bosses erlangt. Dabei will Yan nur noch aus der Nummer raus. Police Officer Lau (Andy Lau) hingegen, hat sich in seine Rolle als Polizist perfekt eingefügt.  Als ein Drogendeal schiefgeht, wird jedoch schnell klar, dass sich sowohl auf Seiten der Triaden als auch der der Polizei ein Maulwurf befinden muss. Um die eigene Tarnung nicht zu gefährden, muss der jeweils andere Spitzel schnellstens ausfindig gemacht werden…

Infernal Affairs mag zwar vorrangig ein Polizeithriller sein, dennoch verwendet er viel Zeit darauf, seine beiden Protagonisten Yan und Lau vorzustellen. Dass so ein Undercoverakt nicht spurlos an einem vorbeizieht, sollte klar sein. Dennoch bietet der Film mit vielen kleinen Details ein anspruchsvolles Bild dieser dreckigen Arbeit, in der man frisst oder stirbt. Wer zögert, stirbt. Wer sich etwas anmerken lässt, stirbt.
Gerade das gefällt mir hier so unglaublich gut. Durch die überragenden Akteure (T. Leung, A. Lau, A. Wong), die bis in die kleinste Nebenrolle exzellent besetzt sind, hebt sich dieser handwerklich ohnehin schon perfekt inszenierte Film auf eine andere Ebene, die neben dem Thrill auch konfliktgeladene Charaktere aufweist. Statt eine platte schwarz/weiß-Malerei zu präsentieren, werden sämtliche Rollen mit kleineren Krisen ausgestattet, die sich immerzu um die (eigene) Identität drehen. „Ist er ein Cop?“ „Bin ich überhaupt noch ein Cop?“ „Ich musste schlimme Dinge tun, bin ich trotzdem ein guter Mensch?“ „Was würde passieren, wenn mir mein Leben so gefällt und ich einfach genau so weitermachen will?“
Fragen über Fragen, für die es keine direkte Antwort gibt. Das Rätselraten bleibt der Moral des Zuschauers überlassen, der selbst entscheiden muss, ob jemand ein guter Mensch ist und wie schwer manche Taten wiegen. Eine Entscheidung, die niemandem abgenommen werden kann, die sich auch die Protagonisten ständig stellen müssen und die daran zusehends scheitern. Auch wenn diese Frage schon Police Officer Lau (Andy Lau) quält, so wird diese innere Identitätskrise erst durch Yan (Tony Leung) auch für den Zuschauer vermittelbar. Er, der ständig auf der Hut sein muss; er, dessen eigentliches Leben schon vorbei war, als es gerade anzufangen schien. Da schmerzt so manche Begegnung umso mehr, wenn ihm vor Augen geführt wird, was hätte sein können, hätte er sich nicht dafür entschieden. Aber auch hier wendet der Film wieder zahlreiche Kniffe an, die das Ganze umso tragischer erscheinen lassen.

Was nun so klingt als hätte Infernal Affairs nichts anderes zu bieten, dem sei versichert: Doch, das hat er. Die Inszenierung ist nicht ganz so geradlinig, wie sie der westliche Zuschauer vielleicht gewohnt sein mag. Es wird mit kleinen Flashbacks gearbeitet, Farbfiltern und einer sehr dynamischen Kameraführung, die sich auch so manchem Achsensprung nicht unterordnet. Die Art ist fordernd, aber nicht überfordernd, die Geschichte selbst ist nicht ausschweifend, sondern auf das Wesentliche runter gebrochen. Dennoch, oder gerade deswegen intensiviert sich eine Szene sehr schnell. Bereits zu Beginn wird durch eine schnelle Montage eine angespannte Atmosphäre vermittelt, die mit blassen Farbfiltern für unbequeme Visualisierungen sorgt, um so den Eindruck der für die Spitzel lebensbedrohlichen Situation noch zu verstärken. Bequem ist dieser Job nicht und das wird allein durch die Machart überdeutlich, während wir als Zuschauer einem Drogendeal beiwohnen, der von der Polizei überwacht wird. Schuss und Gegenschuss, das im Prinzip die gleiche Situation gespiegelt, bzw. modifiziert wiedergibt, werden zum Sinnbild der pulsierenden Stimmung.
Beeindruckend ist auch die Kameragestaltung selbst, die Details ins Zentrum rückt und die vorherrschende Atmosphäre permanent mitgestaltet. Auch wenn sie vereinzelte Hinweise auf die Identitäten der Maulwürfe bewusst einfängt, so kann man trotzdem nicht anders, als zu bangen dass sie nicht auffliegen. Oder zumindest der eine von ihnen, der so ziemlich alle Sympathien auf seiner Seite weiß.

Der Film bietet in der Hinsicht tatsächlich sehr viel Style. Ob es aber mehr Style als Substance ist, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Aus meiner Warte ist hier keine Einstellung zu viel, keine Zeile zu kurz und die Geschichte genau richtig, um den Figuren genügend Raum zur Entfaltung zu bieten und trotzdem für eine intensive Spannungskurve innerhalb der Handlung zu sorgen. So bleiben selbst kleine Randfiguren wichtig, die jeweils ihre eigenen kleinen Spotlights erhalten und die Geschichte mit Akzenten versehen, die auf lange Sicht notwendig sind oder gar als Schlüsselmomente dienen.

Infernal Affairs – Die achte Hölle ist ein nonchalanter schnörkelloser Thriller, der sich um ein Psychogramm zweier Cops dreht, die undercover agieren. Der eine in den Reihen der Triaden, der andere in den Riegen der Polizei. Hier wird 102 Minuten auf Vollgas gedrückt, bei der das Spannungsmoment in einer geraden Linie nach oben verläuft. Es ist ein Film, der mich gestern tatsächlich noch mehr beeindruckt hat, als er es damals, vor vier Jahren schon vermochte. Von daher kann ich hier nur von meinem persönlichen Lieblingsfilm schwärmen, der aus oben genannten Gründen und des wunderbaren Inszenesetzens Hongkongs auf immer und ewig das Sinnbild für meinen perfekten Film sein wird. Ich bin noch immer hin und weg.

10/10 Punkte (Lieblingsfilm)

Die Special Edition

Kommen wir nun zur Special Edition der Infernal Affairs-Trilogie. Diese kommt in einer edlen aufklappbaren mattschwarzen Hardbox mit weißem zurückhaltendem Druck. Auf der unteren Seite befinden sich die Discinformationen der jeweiligen Filme. Klappt man diese Box auf, so liegt ganz oben das Nameless Media Limitierungszertifikat im Stil der Filme auf, welches die auf 1000 Exemplare limitierte Box bestätigt. Mein Exemplar ist die Nummer 691.
Daneben enthält die Box ein Fotobuch mit 16 Doppelseiten, auf denen sich zahlreiche ganzseitige Drucke befinden, die entweder auf einer einzelnen oder gleich doppelseitig abgedruckt sind. Außerdem bietet es abgrenzend nochmal knappe Inhaltsangaben zu den jeweiligen drei Teilen.
Als letztes bietet die Box das Mediabook selbst mit den drei Filmen/Discs. Damit es aufgrund der kleineren Größe als das Fotobuch in der Box nicht umherrutscht, befindet sich ein kleiner loser Streifen Schaumstoff am Boden, der nach Belieben aber entfernt werden kann. Das Mediabook kommt in schlichter Optik, und beinhaltet einen dreiteiligen Blick auf die Filme der Reihe, sowie deren Schauspieler. Wer sich für das HK-Kino interessiert, wird hier noch so manch interessantes Detail aufnehmen können.

Und als großes Schmankerl zum Mediabook gibt es noch drei zusätzliche Poster im jeweiligen Coverdesign im Format 61cm x 91,5cm, die gerollt mitgeliefert werden. Der Schutz ist ausreichend, von Beschädigungen kann ich nicht berichten.

Die Filme selbst bieten sowohl deutsche als auch kantonesische Tonspuren, bei Teil 1 lassen sich zusätzlich deutsche Untertitel oder eine UT-Spur mit Meinung der Regisseure zuschalten.
Das Bild der Blu-ray von Nameless Media bietet definitiv eine Aufwertung zum bisherigen SD-Release und wurde von Kratzern befreit und liegt nun generell schärfer vor (für einen direkten Vergleich bitte auf Facebook vorbeischauen und den rechten Pfeil wählen). Auch die Farben kommen gut zur Geltung, bei Dunkelheit machten sich keine Artefakte bemerkbar. Der Ton ist glasklar, liegt gut abgemischt vor und wurde vom Original auf DTS HD hochgepegelt.

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Extras:

Sprache/ Ton: Deutsch – DTS HD 5.1 | Kantonesisch – DTS HD 7.1
Untertitel*: Deutsch (*Anwählbar im Film)
Laufzeit: Infernal A.: ca.101 Min. | Infernal A. II: ca.119 Min. | Infernal A. III: ca.118 Min.
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren
Extras (Disc 1):
Infernal Affairs: Alternatives Ende (dts. UT), Confidential File, Making of, Outtakes, Biografien, Teaser TV Spot, Trailer

Infernal Affairs II (2003 HK/CN/SGP)

Infernal-Affairs---CoverInfernal Affairs – Die achte Hölle [Mou gaan dou]
Jahr: 2002 HK
Laufzeit: 102 Minuten
Regie: Andrew Lau, Alan Mak
Drehbuch: Alan Mak, Felix Chong
Kamera: Yiu-Fai Lai, Wai-Keung Lau
Musik: Kwong Wing Chan
Cast:
Andy Lau, Tony Chiu Wai Leung, Anthony Chau-Sang Wong, Eric Tsang, Kelly Chen, Sammi Cheng, Edison Chen, Shawn Yue, Elva Hsiao, Chapman To, Ka Tung Lam, Ting Yip Ng, Dion Lam, Chi Keung Wan

Bilder [© 2015 by Nameless Media  |  http://www.nameless-media.de | Schlopsi | Poster: © Media Asia]

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15 Kommentare zu “[Film] Infernal Affairs (2002 HK)”

  1. Weißt du zufällig, ob die FIlme, oder zumindest Teil 1 dann auch in einer normalen Version rauskommt, die nicht gefühlte 1000 Euro kostet? Ich bin zwar Filmsammler, aber diese Special Boxen und Media Books halte ich immer für extrem überflüssig.

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    1. Ich setze mich mit dem Label nochmal in Verbindung und frage nach. Meine nämlich, dass sie das BD-Mediabook solo mit allen drei Teilen vor rund einer Woche noch für 30€ gelistet hatten. Ansonsten fallen mir nur die DVD-Varianten ein, bei der du mit allen drei Teilen auf gut 40€ kommst.
      Ich melde mich nochmal!

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    2. Gerade die Rückmeldung bekommen: Das Mediabook allein liegt bei 59,99€ (3 BDs), wenn du direkt bei ihnen bestellst.
      Ansonsten sind die DVDs auch okay, wenn du dich auf eine Quali á la „Hard Boiled“ einstellst. Kämst mit Gebrauchtkauf bei Teil 1 bei rund 35 Öcken raus.
      Habe allerdings gerade nochmal die DVD zu Teil eins reingeworfen und nachgeschaut: Das Bild ist extrem körnig und nicht immer scharf. Ist so ein bisschen wie Fußball auf einem schwachen Fernseher zu schauen. Da war das HD-Remasterdingens doch sehr angenehmer zu schauen.

      Alternativ bietet das wohl beste Bild die HK-Version (z.B. via yesasia Region free: http://www.yesasia.com/global/infernal-affairs-trilogy-blu-ray-hong-kong-version/1013721450-0-0-0-en/info.html )

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  2. Wow, das nenn ich mal eine schicke Ausgabe! 😮
    Da schlägt dein Herz sicherlich jedesmal höher, wenn du die nur anschaust, was? 😀
    Zu den Filmen selbst, ja, nicht so ganz meine Ecke, aber man merkt deine Begeisterung, was angesichts des Blognamens ja auch gar kein Wunder ist. 🙂

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    1. Ja, das ist sie in der Tat. Und endlich ein gescheites Bild!
      Hehe. Ich gebe zu bei der Namenswahl war ich nicht sonderlich kreativ, aber das macht nichts. Es erinnert mich immer ein Stück daran, wie „alles anfing“. Muss nur immer darauf achten wenn ich jemandem den Film empfehle das „Cinematic“ nicht reinzuquetschen! *lach*
      Zum Film: Ich bin ja immer etwas skeptisch, speziell in der Asiabranche. Habe ich einen Film vor Jahren mal toll gefunden, habe ich immer Angst, dass er beim nächsten sichten total absackt. Weil die Luft raus ist o.ä. Hier war ich umso überraschter, dass er sich über diese Erwartungshaltung komplett hinwegsetzen konnte. Lag ich damals also doch richtig. 😉

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      1. Da schaut man doch gleich noch sehr viel lieber rein, was? 😉
        Ach, du, die Wahl des Blognamens ist ja auch eine ziemlich schwierige Sache, weil man ja einerseits etwas Ansprechendes, andererseits aber auch etwas Persönliches haben möchte. Ich finde, das ist dir gut gelungen!

        Ah, ok, das kenn ich dann ganz besonders von den Dan Brown-Büchern Sakrileg und Illuminati, die konnte ich echt kein zweites Mal lesen, da war wirklich die Luft raus…

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  3. Ich LIEBE diesen Film!!! (und kann daher leider auch mit dem Scorsese-Remake gar nichts anfangen). Die anderen Teile habe ich zu meiner Schande noch gar nicht gesehen… aber wenn es jetzt so eine schicke Box gibt, muss ich da wohl mal zugreifen.

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    1. Geht mir genauso. Departed hatte ich mal angefangen, musste dabei aber ständig an IA denken und habe dann abbrechen müssen. Der ist sicherlich gut, aber reizen tut er absolut nicht – trotz wunderbar lockender Besetzung.
      Die Box ist sehr zu empfehlen. Zwar etwas pricey, aber allein für das HD-Update lohnt es sich schon im direkten Vergleich zu den qualitativ mäßigen DVDs.
      Teil 2 ist übrigens fast genauso stark wie der Vorgänger. Sehr zu empfehlen, der wird dir sicherlich auch imponieren. Also, worauf wartest du noch?! 😉

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