[Serie] Black Blood Brothers (2006 JP)

Black Blood Brothers oder auch: Popcornvampiraction zwischen kindgerechtem Humor und jugendlichem Blutvergießen.

Zehn Jahre nach dem „heiligen Krieg“ in Hongkong, in dem die gefürchteten „Kowloon Children“, blutrünstige Vampire, Tod und Verderben über die Menschheit brachten, kehrt der Held der Schlacht Jirou ‚Silverblade‘ Mochizuki gemeinsam mit seinem kleinen Bruder Kotaru nach Japan zurück. Auf Seiten der Menschen setzte er sich für die Ausrottung der Kowloon Children ein, und das obwohl Jirou selbst ein Vampir ist. Doch einerseits drängt ihn der Stolz seiner Blutlinie dazu, auf der anderen Seite kann er der damaligen Anführerin Cassandra den Tod seiner Geliebten Eve nicht verzeihen. Und so kommt es zum Showdown in ‚der Kontrollzone‘; einem Ort, an dem das Leben zwischen Menschen und Vampiren noch möglich sein sollte…

Die Serie

Beim Anblick des Covers bin ich schon ein wenig erschaudert und konnte mir den Gedanken nicht verkneifen, ob ich diesen doch sehr nach Trash ausschauenden Anime schauen soll. Aber die Neugierde hat wie immer gesiegt und jetzt sitze ich hier vor der DVD-Box und starre den Protagonisten Jirou in seiner roten Kluft entgegen, die doch sehr an jemand alt bekanntes erinnert… Jedoch gibt sich der Vampirhorror-Komödienmix ganz anders, als es beispielsweise Genrevertreter wie Hellsing oder Trinity Blood täten. In 12 Serienepisoden behandelt die adaptierte Serie Black Blood Brothers einen Krieg zwischen einer Vampirgruppe und den Menschen, an dessen Seite der Held der Serie Jirou kämpft. Okay, das klingt nun tatsächlich wie Hellsing, aber nein. Anders als sich auf den nach Blut dürstenden Vampirsplatter zu konzentrieren, der einem in solchen Fällen für gewöhnlich beschert werden würde, beschreitet diese Produktion eher den Weg des romantisierten Vampirmythos: Der Vampir als Einzelgänger, der in der Sonne nichts zu suchen hat und für den und dessen Opfer der Prozess des Bluttrinkens einem sexuellen Akt gleichkommt, der hier sehr sinnlich dargestellt und wunderschön anzusehen ist.

Die Geschichte selbst ist dabei genau genommen tragisch in ihrem Ausgangspunkt und nach klassischem Muster aufgebaut: Der Held verliert seine große Liebe, macht sich auf die Reise um Rache zu üben und trifft im Verlauf eben dieser Reise auf eine helfende Hand, ohne die der Held aufgeschmissen wäre. Und am Ende wartet dann natürlich der altbekannte Feind, weshalb es zum Showdown kommen muss.
Dieser aus dieser Reise resultierende Reifeprozess des Helden ist auch immer wieder Dreh- und Angelpunkt der Handlung rund um Jirou und seinen kleinen Bruder. Dabei wechselt die Serie gerne ihr Tempo und legt in der Action einen Zahn zu, während sie in den characterdriven Momenten das Tempo merklich zurücknimmt und beginnt, in der Vergangenheit zu schwelgen. Nicht dass es überraschen würde, aber die Adaption legt einen großen Wert auf die Charakterentwicklung aller Beteiligten. Ob nun der spitzzüngige Einzelgänger Jirou, der mit seiner charmanten Art Mimiko, einer sogenannten Vermittlerin zwischen Menschen und Vampiren, den Kopf verdreht, oder die über sich hinauswachsende Mimiko, die zunächst wie eine noch junge, nicht ganz so idealistische Verfechterin des Rechts zwischen Mensch und Vampir schlägt. Leider sind dies aber auch die einzigen Figuren, um die sich merklich bemüht wurde. Der Rest dümpelt zwischen Gut und Böse, teilt sich die schwarz-weiß-Malereien gegenseitig ein und bringt mitunter Figuren zum Vorschein, die so gar nicht in das präsentierte Geflecht passen wollen und deren Intentionen wohl nur in der Literaturvorlage genauer erläutert werden.

Aber gut, zwölf Episoden schaut man mitunter schnell weg und wenn sie für spektakuläre (Schwert)Kämpfe sorgen, dann… ihr wisst schon. Die Erwartungen sinken zwar ab, aber dennoch reicht die Darstellung aus, um bei Laune halten zu können. Überhaupt sollte man nicht allzu hohe Erwartungen an Black Blood Brothers stellen: Wer auf eine gruselige Horroratmosphäre pocht, der wird schnell enttäuscht. Zwar gibt es durchaus ein paar abgetrennte Gliedmaßen und zahlreiche Blutspritzer zu sehen, doch wirklich heftig wird es nicht. Dies ist unter anderem dem Cartoon-ähnlichen Charakter der Serie geschuldet. Denn nicht nur die Animationen, sondern auch der gehäufte Humor, der sich zwar nicht immer als treffsicher herausstellt aber trotzdem für eine etwas lockere Gangart sorgt, verleiht dem Gesamtwerk etwas überzogen reliefartiges. Irgendwie weiß man dass es totaler Mumpitz ist, aber immerhin ist es sympathischer Mumpitz, der etwas zu erzählen und auf gewisser Ebene auch zu unterhalten weiß.

Das Handwerkliche

Wie zuvor erwähnt bedient der Anime mehrere Ebenen. Der Zeichen- und Animationsstil ist nichts besonderes, passt sich aber gerade deswegen gut in das Gesamtgeschehen ein. Außer smoothen Kampfbewegungen von denen es zuhauf gibt und dem perfekt getimten Einsatz von Flashlights, wenn bspw. ein geschwungenes Schwert das Licht reflektiert, gibt es nicht großartig etwas, an dem man sich festklammern müsste. Die Bewegungsabläufe sind sanft und glatt, die Backgroundzeichnungen sind okay. Nichts herausragendes, was Studio Group TAC leistet, aber auch nichts, das es zu bemängeln gäbe. Einzig das Characterdesign, was vermutlich der Mangavorlage geschuldet sein dürfte, ist zuweilen gewöhnungsbedürftig. Abgesehen von Jirou, bei dem ein Freund trefflicherweise witzelnd von einem Alucard-Cosplay sprach, gibt es abseits der Menschen einige Vampirgestalten, die doch etwas fremdartig in ihrem Aussehen wirken. Auf ein einheitliches Design wurde jedenfalls verzichtet. Ansonsten gibt es tatsächlich nicht viel zu berichten, außer dass die Musik nicht erwähnenswert ist. Dafür aber die deutsche Synchronisation, die größtenteils gelungen ist. Passt in meinen Ohren sogar etwas besser, als die originalen japanischen Sprecher, denn statt einer etwas zu hohen Stimme Jirous im Original, bietet die deutsche Variante vorwiegend kräftige Sprecher mit angenehmer Tiefe wie Markus Pfeiffer (dts. Sprecher von Adrien Brody oder Alex O’Loughlin in Hawaii Five-0). Einziger Makel, der sich jedoch allgemein durch die Animationssynchronisation zieht, ist der ungeheure Zwang, immer auf ein akzentfreies und gezwungenes Hochdeutsch zu setzen, in der die Aussprache gar nicht mehr klarer sein könnte. Gerade bei Kindern wie Kotaru (Maximiliane Häcke) fällt es immer häufiger störend auf.

Blu-ray Veröffentlichung

Die der Besprechung zugrunde liegende Blu-ray Komplettedition umfasst die 12 Episoden von Black Blood Brothers auf zwei Discs im Digipack. Auf der Umverpackung befindet sich kein FSK-Aufkleber. Dieser ist stattdessen auf das Digipack aufgedruckt. Auf Disc 1 befinden sich als Extra die textlosen Varianten des Openings und Endings.

Hier die genauen Specs:

  • Laufzeit Blu-ray: ca. 300 Min.
  • Episoden: 12
  • Anzahl Datenträger: 2
  • Sprache: Deutsch, Japanisch
  • Tonformat: Dt.: Dolby Digital 5.1 | Jap.: True HD
  • Untertitel: Deutsch
  • Bildformat: 16:9
  • Extras: Poster, Sticker
  • FSK: Ab 16 Jahren
Fazit

Gut, mit Black Blood Brothers erfindet sich das Vampirgenre nicht neu. Dennoch ist der etwas ruhigere Ansatz mit dem wenig verklärten Mythos begrüßenswert und sorgt zumindest in den charakterbasierten Momenten für schöne Unterhaltung, was die an sich recht unspektakuläre Geschichte doch sehenswert gestaltet. Es hätte sich jedoch angeboten, der Vorgeschichte zumindest eine Episode als ganzes zu gönnen, um sich so nicht immer auf die fragmentarische Erzählung verlassen zu müssen. In den schnelleren Episoden stellt sich das nämlich als Hindernis heraus. Ansonsten bleibt mit diesem Anime ein schneller Unterhaltungsbissen über, der sich innerhalb kürzester Zeit verschlingen lässt.

Black Blood Brothers  erschien am 24. Juni 2016 unter nipponart auf DVD und Blu-ray (Komplettbox). 

5,5/10 Punkte

[Serie]-Black-Blood-Brothers-(2006-JP)-CoverBlack Blood Brothers [ブラック・ブラッド・ブラザーズ]
Jahr: 2006 JP
Genre: Action, Comedy, Fantasy, Shounen, Supernatural, Vampire
Regie: Toyoo Ashida
Drehbuch: Eric Vale (Manga: Azano Kouhei)
Musik: Toshihiko Sahashi
Opening: „Ashita no Kioku“ – Naozumi Takahashi
Ending: „Shinkirou“ – LOVEHOLIC
Studio: Group TAC

Bilder [© 2006 Kouhei Azano · Juuya Kusaka / Fujimishobo / BBB Partners]

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