[Film] Die glorreichen Sieben (2016 US)

Das Western-Remake zum Western-Remake vom Samurai-Original. Jaja, der Remakedrops ist allmählich auch verbraucht. Kommen wir also zur wichtigen Frage: Braucht es das denn noch?

Die Handlung – eine Frau (Jennifer Lawrence Lookalike Hayley Bennett) bittet einen Kopfgeldjäger um Hilfe, nachdem ein geldgieriger Schnösel ihre Stadt terrorisiert. Dieser willigt nach einigem hin und her ein und sucht sich seine glorreichen sieben sechs Mitstreiter zusammen, um dem Bösen das Handwerk zu legen – ist in etwa so spektakulär, wie es klingt. Abgesehen von der Tatsache dass sich dahinter ein angenehmes Ensemble, dirigiert von Antoine Fuqua, befindet.

Klingt vorhersehbar? Japp. Klingt typisch? Jupp. Klingt nach einer Sause? Joa.

Mit Die glorreichen Sieben wird das Rad nicht neu erfunden und auch ein Actionfetischist wie Antoine Fuqua vermag daran kaum etwas zu ändern. Er weiß wo seine Stärken liegen und formuliert diese später aus. Doch zunächst gehört solch ein gebotenes Ensemble vorgestellt. Dafür opfert er von den großzügig bemessenen 133 Minuten Laufzeit tatsächlich auch einen Großteil der Zeit. Angenehm zu beobachten ist dabei, dass sich mit Denzel Washington ein charismatischer Anführer an die Spitze begibt, ohne dem restlichen Cast die Show zu stehlen, respektive zu dominant zu wirken. Allesamt erhalten sie eine würdige Etablierung innerhalb der Geschichte und auch im weiteren Verlauf des Films ist die Screentime ausgeglichen verteilt (und das sagt eine, die Lee Byung-hun vergöttert, wohlgemerkt…). Imposant inszeniert Regisseur Fuqua jedoch den Konflikt, der Geschichte erst ins Rollen bringen wird. Peter Sarsgard als Schurke Bartholomew Bogue darf endlich seiner unnachgiebig fiesen Ader frönen und das verschlafene Minenstättchen Rose Creek tyrannisieren. Mit einem Monolog der unter die Haut geht, wird die stereotype Ausgangslage geschaffen, was durch die verrohte Gewalt – wie sie Fuqua nur zu gerne präsentiert – gestützt wird. So erhält der Western früh einen skrupellosen Ton, durch den man doch kurz ins Schwanken gerät, ob die Trailer nicht doch etwas anderes versprachen. Eine Sache, die sich durch den kompletten Film ziehen soll und es schwer macht, Die glorreichen Sieben richtig einzuordnen.
Einerseits gelingt die Einführung von Faraday (Chris Pratt), wie nicht anders zu erwarten, spaßig. Der zu Scherzen aufgelegte Kartentrickser bedient die lockere Art, dennoch hält sich auch das in Grenzen und Pratt beschränkt sich nicht auf seine sympathische Spaßvogelattitüde. Stattdessen lässt er ein bisschen Schwere in seine Rolle einfließen, das ungewohnt,  gleichzeitig aber auch erfrischend erscheint. Gleiches gilt für den Rest, ob nun Billy Rocks (Lee Byung-hun) oder James Horne (Vincent D’Onofrio), oftmals vermischt sich überspitzte Gewalt in Maßen mit leichter Handhabe, ohne jedoch ins absurde abzudriften.
Der Witz beschränkt sich weitestgehend auf die Figuren, mit ihren ganz speziellen Eigenheiten und bleibt generell sehr zahm. Keine lockeren Oneliner oder Wortwitze im Überfluss, lediglich vereinzelte Humorspitzen, die meist zügig wieder erstickt werden. Es ist, als würde der Western zwischen den Stühlen sitzen und sich nicht entscheiden könne, ob dem ganzen etwas mehr Humor gut täte oder doch lieber der seriöse Tonus bedient werden solle, was das Ganze unausgeglichen erscheinen lässt.

Ein weiterer Kritikpunkt,  unter dem jedoch fast jeder mit Action garnierte Kracher daherkommt, ist das doppelte Finale. Machen wir uns nichts vor: Antoine Fuqua weiß als alteingesessener Regieveteran, wie er diese zu inszenieren hat. In Die glorreichen Sieben steht am Ende der große Showdown, der es in sich hat. Mit langen fixen Einstellungen, die ohne hektische Schnitte auskommen, werden sämtliche Geschütze aufgefahren und die Situation mit angenehmer Tragik intensiviert. Das funktioniert äußerst gut. Dennoch wird die aufgebaute Spannung mit der Entscheidung in Luft aufgelöst, nach dem eigentlichen Showdown nochmals eine Art kleinere Auseinandersetzung hinzuzufügen, die gesondert von der eigentlichen Aktion stattfindet, ehe es dann wiederum zum klassischen Aufeinandertreffen zweier Männer kommt. Ein Trend, welcher in den letzten Jahren vehement bedient wird und die erzeugte Stimmung regelrecht kippen lässt, in der Hoffnung, die Dramatik bis zur letzten Faser auszureizen, ehe das Geflecht zerreißt. Es ist schade, dass immer wieder beobachten zu müssen, denn so ruiniert sich ein Film in den letzten paar Minuten selbst, weil das Drehbuch der Meinung ist, unbedingt noch etwas zwischen dem gekonnten Finale und dem folgenden Duell einzuschieben. So auch hier, was sich ebenso gut in den eigentlichen Showdown hätte integrieren lassen können.
Ansonsten ist das Finale das Highlight des Films, auf das alles hingearbeitet wird. Natürlich haben die Guten mehr Standkraft als die Bösen, dennoch liegt es gerade an der Handschrift des Regisseurs, das alles nicht nur runterzurattern und auf Blockbusterniveau zu stemmen. Es kommt zum blutigen Bleiregen, der die „Helden“ nur kurzfristig zu Helden macht, nur selten heroisiert und auf ein heile-Welt-Bild verzichtet. Die Bedrohung der Übermacht ist real, der Tod zum greifen nahe und im Tod wartet nichts Beruhigendes. Ungeschönt und roh wird gezeigt, wie hässlich Gewalt ist und gleichzeitig, wie ästhetisch sie durchaus sein kann, wenn nicht zig Slowmotionsequenzen eingestreut werden. Im Film gab es übrigens nur eine, sofern ich da achtsam genug war…

Ohne wirkliche Überraschungen präsentiert Antoine Fuqua mit Die glorreichen Sieben ein zeitgenössisches Remake vom altgedienten Vorlagenstoff. Ob es das gebraucht hätte? Wahrscheinlich nicht. Sieht es gut aus? Ohne Zweifel. Muss man es unbedingt gesehen haben? Nein, aber im Kino macht der Western durchaus Laune. Und endlich wird dem Genre wieder ein belebender Impuls geschenkt, der auf Artifizierung und Poetik verzichtet, sondern einfach nur den Kern des Westerns bedient. Das darf doch auch mal sein.

7,5/10 Punkte

film-die-glorreichen-sieben-2016-us-posterDie glorreichen Sieben [The magnificent Seven]
Jahr: 2016 US
Laufzeit: 133 Minuten
Regie: Antoine Fuqua | Drehbuch: Richard Wenk, Nic Pizzolatto
Kamera: Mauro Fiore
Musik: James Horner, Simon Franglen
Cast:
Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Lee Byung-hun, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier, Haley Bennett, Peter Sarsgaard, Luke Grimes, Matt Bomer

Bilder [© Sony Pictures Releasing GmbH]

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8 Kommentare zu “[Film] Die glorreichen Sieben (2016 US)”

  1. Sehe das ganz ähnlich wie du. Ich fand allerdings noch ganz gut, dass man kein 1:1 Remake vom Remake gemacht hat, sondern (ein paar) eigene Charaktere in die Geschichte geschrieben hat. Das lockert die Erwartungshaltung ein bisschen auf und man hat teilweise wirklich das Gefühl einen neuen Film zu sehen.

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    1. Ich kenne die beiden anderen Filme nicht, bin aber – wie bei Don schon geschrieben – der Ansicht, dass es bei diesem Material im Grunde egal ist, was man erzählt und das Wie im Vordergrund steht. Wie sich das mit den Charakteren verhält, weiß ich also nicht. Aber ja, stimmt schon was du schreibst. Und es war etwas angepasster an die Moderne finde ich.

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    1. Kann zu den beiden anderen Filmen nichts sagen. Allerdings wage ich einfach mal zu behaupten, dass sich der Stoff als Remake gut eignet, da du im Prinzip alles nach belieben abändern kannst, solange die Grundidee erhalten bleibt. Hier geht es mehr um die Machart, und wenn du Fuquas Stil magst, dann magst du auch diesen Film. Nicht mehr, und nicht weniger.

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