[Kurzfilm] Haze (2005 JP)

Okay, nur weil ich Horrorfilme meide wie die Pest, heißt das nicht, dass ich sie nicht doch schaue. Manchmal ist die Neugierde zu groß, manchmal passt es gut zur aktuellen Stimmung. So kam ich gestern in den Genuss eines (längeren) Kurzfilms von Shinya Tsukamoto. Einem Extremkünstler, der mit seinem nicht minder extremen Film Tetsuo: The Bullet Man leicht den Platz Nummer eins auf meiner Hassfilmliste erklommen hat. Aber gut, die Neugierde siegt, die Stimmen zu seinem klaustrophobischen Film Haze klangen gut, also was soll’s. Mein Beitrag zum #Shocktober, der dem ein oder anderen von euch vielleicht gefallen könnte.

Haze ist Mindfuck.
In seinen knapp 50 Minuten konfrontiert sich Regisseur Shinya Tsukamoto, der gleichzeitig in Personalunion die Hauptrolle in diesem verstörenden Werk innehält, mit der beklemmenden Umgebung, in welcher er sich gefangen sieht. Auf dem Betonboden liegend, kaum mehr als ein paar Zentimeter Luft zwischen Nase und Decke. Etwaige Bewegungen kaum möglich und wenn, dann nur im kriechenden Tempo. Was Kraft kostet, wenn nur die Hände und Füße genutzt werden können, um sich in dem dunklen Gebilde fortzubewegen.

Es ist ein Albtraum für Menschen, die nicht mit engen Räumen zurechtkommen. Denen der Schweiß schon auf der Stirn steht, wenn sie nur entfernt daran denken, sich selbst in dieser Situation zu befinden. Ohne Erinnerung daran, wer, was oder warum Sorge dafür trägt, in dieser äußerst misslichen Lage zu stecken. Haze wird zum Albtraum vieler, auch wenn er nur mit den grundlegenden Ängsten des Protagonisten spielt. Und die haben es in sich: Da sie simpel, ja fast schon plakativ gehalten sind, fällt es leicht, sich selbst gedanklich in die Situationen hineinzufinden. Auch die Klangkulisse, die eine permanent heranrückende Bedrohung andeutet oder verzerrte Gitarren, welche die Verstörung nur weiter verstärken, sowie die Nutzung einer einzigen DV Cam, um den Wahnsinn schlussendlich hautnah einzufangen.

Herauszuheben ist hierbei der Umgang mit den technischen Mitteln. So sehr ich Tsukamotos Stil nichts abgewinnen kann oder auch will, so gut versteht er es jedoch, mit der Kamera und dem Schnitt umzugehen. Sobald sich der Protagonist seiner Lage bewusst wird, öffnet sich durch den Schnitt die metaphorische Ebene seiner Gedanken und er (der Protagonist) durchläuft verschiedene Stufen wie Furcht und Wahn, aber auch Hoffnung. Unaufgeregt fängt die handliche Kamera ein, was der Protagonist fühlt, ehe er wieder in der Realität landet und die kurzen Phasen der Hoffnung einer blanken Panik weichen. Tsukamoto ist nah dran und gönnt dem Zuschauer kurze Pausen mit seiner vermeintlichen Hoffnung, ehe der Wahnsinn noch verstörender zurückkehrt und die Hoffnung auf ein Entkommen der Furcht vor Konsequenzen weicht.

Haze ist ein Gedankenexperiment sowie ein Portrait menschlichen Wahns. So gut das symbolträchtige Ende auch ist, so schade ist es doch, wie sehr dem ganzen dadurch die Bedeutung und das Mysteriöse geraubt wird. Auch wenn innerhalb des Films durch technische Notwendigkeit (Beleuchtung) etwas „Raum zum (metaphorischen) Atmen“ gegeben wird, wie Filmkritiker Mark Schilling es formuliert, so fällt dies erst zum Ende hin auf. Denn am Ende ist es schlichtweg zuviel dieser Luft.

6,5/10

haze_2005_film_posterHaze
Jahr: 2005 JP
Laufzeit: 49 Minuten
Regie & Drehbuch: Shinya Tsukamoto
Kamera: Shinya Tsukamoto
Musik: Chû Ishikawa
Cast:
Shinya Tsukamoto, Takahiro Murase, Takahiro Kandaka, Masato Tsujioka, Mao Saitô, Kaori Fujii

Bilder via Screenshots | Cover: [© Rapid Eye Movies / AL!VE 2006]

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3 Kommentare zu „[Kurzfilm] Haze (2005 JP)“

  1. Oh endlich mal jemand, der den Film auch kennt. Ich dachte schon, ich wäre der Einzige. Hab den auch mal vor Ewigkeiten gesehen und sogar noch einen halben Punkt mehr gegeben als du 😉

    Ich fand den ganzen Anfang so unheimlich, so abgefuckt, so irreführend… das war unerträglich, aber faszinierend. Das Ende wird dann ja echt skurril.

    Es ist auf jeden Fall mal ein Film, den man gesehen haben kann… 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Hah, der war schon überfällig. Er hatte ursprünglich auch bei mir einen halben Punkt mehr, aber das Ende… at mir den Reiz wieder genommen. Zwar nicht ganz, aber manches wäre vllt. besser ungezeigt geblieben. Anyway, starke Kiste die jeder Filmliebhaber gerne mal schauen könnte. Zwar sehr japanisch, aber eine universelle Thematik, die bei vielen gut ankommen sollte.

      Gefällt 1 Person

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