[Film] Hobo with a Shotgun (2011 CA)

Rutger Hauer räumt als vigilanter Hobo mit Schrotflinte das tyrannisierte Städtchen Hope Town auf.

Mehr braucht es zum Inhalt auch nicht zu sagen, besteht diese Grindhouse-Trash-Granate doch aus nichts weiter, als eben diesem vigilanten Rachefeldzug gegenüber dem verschlafenen kanadischen(!) Nest, in dem ein größenwahnsinniger Obermacker das Kommando übernommen hat, die Polizei korrupt ist und sich pädophile Weihnachtsmänner an Schulkindern laben…. Natürlich ist es nur Weihnachtsmann und nur eine abgedrehte Idee in dem absurd überdrehten Kracher Hobo with a Shotgun.

Das Schicksal, das diesen beschlagnahmten Film ereilte, mag im ersten Moment für wenig Verwunderung sorgen, werden in diesem Gorefest doch Köpfe aus nächster Distanz weggepustet, menschliche Innereien offengelegt und anderweitige Scharmützel auf – zugegeben – sehr kreative Weise in aller Ausführlichkeit gezeigt. Alles ist derartig überspitzt und überstilisiert dargestellt, dass es schwer fällt, diesen Film überhaupt ernst nehmen zu wollen. Fängt dies doch schon beim dürftigen Vokabular des Stadttyrannen an, welches ihn weit über (/unter) den Standard solcher Filmchen hinaus befördert und an Lächerlichkeit kaum zu überbieten sein mag, wären da nicht seine beiden Söhne, die nicht minder schwer auf dicke Hose machen und die Marschrichtung vorgeben.  Es tut schon innerlich weh, dieser überhöhten Karikatur dabei zusehen zu müssen, wie er die Bewohner Hope Towns in Angst und Schrecken versetzt und munter jeden abmurkst, der sich seiner nicht fügt.

Regisseur Jason Eisener zieht alle Register. Narrativ ist Hobo with a Shotgun auf das allernötigste herunter gebrochen, auch wenn an vereinzelten Stellen möglichst tiefgründige, in ihrer Inszenierung aber wieder so absurd und fehl am Platze erscheinende, moralgeprägte Einschübe stattfinden. Die Säuberungsaktion durch den Hobo muss schließlich auch in einem solchen Film seine Legitimation erhalten und wie könnte man dies besser lösen, als mit einer warnenden Predigt vor Neugeborenen, die noch so unschuldig sind, dass man sich kaum vorstellen möchte was mit ihnen geschehen würde, würden sie in dem bestehenden Umfeld aufwachsen. Würden sie dem unterjochten Volke angehören, oder selber die Fäden in die Hand nehmen und zum Unterdrücker werden? Es sind Fragen, die unweigerlich gestellt werden müssen und als Rechtfertigung für den Vigilantismus dienen. Was dreckig ist, muss gereinigt werden, auch wenn ein Besen nicht für alle Schmutzflecke ausreicht. Manchmal geht das nur mit einer Schrotflinte. Diese Momente wirken unfreiwillig komisch, dienen aber gerade deshalb als starker Kontrast zum sonstigen Schlachthausflair, den der Film versprüht.

Auf audiovisueller Ebene dreht Eisener jedoch völlig am Rad. Ob mit überzogenen Farbfiltern, drastischen Gewaltexzessen in aller Deutlichkeit oder einem fetzigen Synthesizersoundtrack, der ebenso gut älteren Grand Theft Auto-Ablegern entliehen sein könnte, spritzt das Blut literweise durch die Luft an Wände, in Gesichter oder auf Böden, der Geschmacklosigkeit werden keinerlei Grenzen gesetzt. Es ist ziemlich abgefahren, auf welche Weisen die Menschen hier um die Ecke gebracht werden, denn nur weil sich im Filmtitel das Wort Shotgun befindet, heißt dies noch lange nicht, dass dies die einzige bewährte Methode bleibt. Wenn nun Erwähnung findet, dass der einzige Traum, den unser Hobo hegt, der Erwerb eines Rasenmähers(!) ist, dann lässt sich in etwa vorstellen, welch kreative Momente sich die Macher darüber hinaus einfallen lassen haben. Für Splatterfans fast schon ein Muss, werden Zartbesaitete schnell an ihre Grenzen stoßen. Grenzen, um die sich hier jedoch keiner schert, was in einer bestimmten Szene doch etwas zu grobschlächtig erscheint. Hier stellt sich dann doch die Frage, ob wirklich alles so erzählt werden muss wie es getan wird, oder ob darauf auch hätte verzichtet werden können. Auch wenn es hier tatsächlich einem narrativen Sinn entspricht.

Schauspielerisch muss hier wenig erläutert werden. Ein Film ohne tiefen Anspruch benötigt keine ausgefallenen Charakterportraits. Hier dreht sich alles um abgerundete Schwarz-/Weißkarikaturen, die möglichst überzogen mit unterschiedlichen Sichtweisen auf Krawall gebürstet sind und als Grundlage für den blutigen Konflikt dienen. Alter Haudegen Rutger Hauer wird nach Konfrontation mit der korrupten Obrigkeit zum Bären und mäht alles nieder, was ihm dabei krumm kommt und erhält alsbald Unterstützung von der Prostituierten Abby (Molly Dunsworth), was in zahlreichen denkwürdigen und komischen Situation mündet, sich aber aufgrund der Abgestumpftheit idealerweise in das Geflecht einfügt.

Im Endeffekt ist Hobo with a Shotgun ein filmischer (Gewalt)Exzess, welcher sich bewusst überspitzt dargestellt in die Reihe der Grindhouse-Filme einreiht und gar zu den härteren dieser Art gezählt werden darf. Auch wenn hier noch mehr Tabus auf weniger elegante Weise gebrochen werden und sich diese Trashgranate in seiner pausenlosen Gewaltinszenierung schnell selbst übersättigt, so bleibt am Ende doch nur das Gefühl über, die Zeit lieber in eine Runde Grand Theft Auto zu investieren, wo sich auf ebenso kreative Weise (un)gescholtene Bürger ihrer Selbst entledigen lassen. Denn nichts anderes ist Hobo with a Shotgun, der jedoch weit über diese Stränge schlägt und dadurch wieder zu absehbar und bemüht wirkt,  als wirklich originell und spaßig.

3/10 Punkte

film-hobo-with-a-shotgun-2011-ca-posterHobo with a Shotgun
Jahr: 2011 CA
Laufzeit: 86 Minuten
Regie: Jason Eisener
Drehbuch: John Davies
Kamera: Karim Hussain
Musik: Adam Burke, Darius Holbert, Russ Howard III
Cast:
Rutger Hauer, Pasha Ebrahimi, Robb Wells, Brian Downey, Gregory Smith, Nick Bateman, Drew O’Hara, Molly Dunsworth, Jeremy Akerman, Brian Jamieson

[Auf den Trailer wird aus diversen Gründen an dieser Stelle verzichtet.]

Bilder [© Universum Film]

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4 Kommentare zu „[Film] Hobo with a Shotgun (2011 CA)“

    1. Jop. Ich sag mal so: Hobo ist ungeheure Geschmackssache. Allgemein wird der recht wohlwollend aufgenommen, allerdings war er mir (auch genretechnisch) zuu profan aufgezogen. Weiß nicht ob das dein Geschmack wäre, wahrscheinlich eher nicht.
      Hehe, Tarantino hält sich seine ein, zwei Filme doch warm. Grindhouse hat er ja schon abgehakt. (Müsste den eigt. auch mal schauen…)

      Gefällt 1 Person

  1. Danke. Das erinnert mich daran, dass ich da auch noch die Kritik irgendwo auf meinem Rechner habe und sie mal veröffentlichen sollte.

    Der Film war wirklich nicht gut. Ich kenne zwar viele, die den sehr abfeiern, konnte mich damit aber auch nicht so recht anfreunden.

    Gefällt 1 Person

    1. Eine weitere Warnung gegenüber dem Film wäre sicherlich angebracht.
      Ich war nach all der Lobhudelei ziemlich enttäuscht. Auch wenn die Grindhousefilme nicht gerade vor Intelligenz strotzen, so fand ich Hobo dann doch zu profan geraten. Da ist man nach 5 Minuten verbalkotzendem Dialog zügig bedient.

      Gefällt 1 Person

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