[Genre Spezial] Found Footage

 Im Rahmen eines Seminars habe ich einen Text zum Genre des Found Footage-Films verfasst. Vielleicht interessiert den ein oder anderen Filmbegeisterten ja ein kleiner Abriss darüber, was das Genre mit Edgar Allen Poe, H.G. Wells, einem  italienischen Kannibalenfilm und gänzlich anderem zu tun hat?

Zur Historie, Stilistik und Marketing des Found Footage-Films.
  1. Einleitung

Mit Paranormal Activity (US 2007) schuf der israelisch-amerikanische Regisseur Oren Peli eine Independent-Produktion, mit der das Horror-Subgenre des Found Footage-Films erneuten Aufschwung erhalten sollte. In dem Film dreht sich alles um das junge Pärchen Katie und Micah, die in ihrem Haus ungewöhnliche Phänomene wahrnehmen. Um der Sache auf den Grund zu gehen, beschließt Micah, eine Kamera im Schlafzimmer aufzustellen, um sich so einen Eindruck der Ereignisse zu verschaffen, welche zumeist in der Nacht auftreten. Nach ersten Analysen der Aufnahmen ist klar, dass etwas im Haus sein Unwesen treibt. Auch ein hinzugezogener Experte auf dem Gebiet des Übernatürlichen bestätigt dem jungen Paar, dass ein Dämon die Hausbesitzer heimsucht…

Regisseur Oren Peli kombiniert mit Paranormal Activity Haunted House-Horror mit dem Versprechen, dass die im Film verwendeten Aufnahmen gefunden wurden und dementsprechend real seien. Der dabei genutzte Begriff des Found Footage (zu Deutsch: gefundenes Material) verbindet diesen Gedanken damit, dass sich die Opfer, in diesem Falle Katie und Micah, selber bei der Auseinandersetzung mit dem Dämon filmen und der Zuschauer dabei Schritt für Schritt die stattfindenden Ereignisse mit verfolgt, beziehungsweise aus Sicht der Kamera mitten im Geschehen verortet wird.

  1. Ursprünge und Historie des Found Footage

Erste Parallelen zum Found Footage lassen sich mit dem britischen Schriftsteller Edgar Allen Poe (1809-1849) bereits im 19. Jahrhundert ziehen. Der Autor, der für seine Krimi- und Horrorliteratur große Bekanntheit erlangte, verfasste unter anderem Kurzgeschichten, welche auf tatsächlichen Ereignissen beruhten und dem Leser durch den fiktiven(!) gebotenen Detailgrad den Eindruck vermittelten, dass das Geschriebene der Realität entspreche. Manche von ihnen hegten sogar schon die Vermutung, dass Poe möglicherweise in den (Kriminal)fällen selbst verwickelt sein müsse (Beispiel: The Mystery of Marie Rogêt). Auch Bram Stokers Dracula (1897) nutzt diverse Stilmittel wie zum Beispiel eine Struktur ähnlich eines Tagebuchs und Briefen, deren Narration genau diesen Effekt des Echtheitsanspruchs auf andere Weise untermauern sollen.

Als filmische Wegbereiter des Subgenres dienen der deutsche Science-Fiction Film Die Delegation (DE 1970) von Rainer Erler sowie Cannibal Holocaust (IT 1980) von Ruggero Deodato. Beiden Filmen gelang es, einigen Zuschauern den Eindruck zu vermitteln, dass die gesehenen Aufnahmen echt seien. Im Falle von Die Delegation war es dem dokumentarischen Stil geschuldet, in Cannibal Holocaust den schockierend real anmutenden Aufnahmen, die im Verlauf des Films vom Protagonisten Professor Harold Monroe gefunden werden und das brutale Abschlachten der Filmcrew sowie der eines indigenen Stammes im Amazonas zeigen.

Obwohl das Genre des Found Footage schon lange vor seiner Blütezeit Ende der 90er und Mitte der 2000er Jahre seinen Ursprung fand, so gilt als bedeutender Einschnitt in der Genre-Geschichte der Film The Blair Witch Project (US 1999) von Eduardo Sanchéz. Der Film, der vollständig mit Handkamera gedreht wurde, sorgte nicht nur mit seiner amateurhaften Machart für ein Authentizitätsgefühl, auch der Mythos der in den Wäldern lebenden Blair Witch manifestierte sich in den Köpfen der Zuschauer und sorgte dabei für zusätzlichen (vermeintlich informativen) Hintergrund zum Film.

  1. Stilistik und Marketing

Der Found Footage-Film zeichnet sich allem voran durch seinen Authentizitätsanspruch aus, der häufig schon zu Beginn des jeweiligen Films mit einer Texteinblendung begründet wird, die besagt, dass die folgenden Aufnahmen gefunden wurden und echte Ereignisse wiederspiegeln.

Die Filme sind in der Regel mit überschaubarem Budget gedreht (~50.000$ – 100.000$) und erzeugen durch ihre zumeist amateurhafte und wackelige Kameraführung den Eindruck, dass die Protagonisten selbst alles filmen (s. The Blair Witch Project). Der Zuschauer befindet sich somit stets auf dem Wissensstand der Kamera und kann Dinge aufnehmen, die die Kamera filmt, die Protagonisten aber nicht unmittelbar wahrnehmen. Es kann aber auch das genaue Gegenteil dessen eintreten: In hektischen Situationen, wenn die (Hand-)Kamera nahezu unkontrolliert mitgeführt wird, kann dem Zuschauer, respektive dem Betrachter der Aufnahmen, ein Sachverhalt vorenthalten werden. Hieraus bezieht der Found Footage-Horror seine Spannung, indem der Zuschauer den first person look innehält und durch diese Perspektive mitten in das Geschehen integriert wird. Gestützt wird dieser Eindruck vom natürlichen Schauspiel der Darsteller, die in einigen Fällen (Paranormal Activity) ihre Dialoge improvisieren, sowie den Homevideo-Look, der stark an heimische Aufnahmen die jeder, der über eine Handkamera verfügt, erinnern. Auch hier spielt Found Footage mit der Wahrnehmung des Zuschauers. Das Wirken der vermeintlich unprofessionellen Produktion, wenn sich in das Hauptgeschehen des Films alltägliche, fast schon tagebuchähnliche Aufnahmen mischen, verleihen dem Filmmaterial nicht nur einen realistischen Zug, sie zielen auch auf darauf ab, sich emotional mit den Protagonisten des Films zu verknüpfen. Durch das Zeigen des Alltäglichen werden die Protagonisten lebendiger gestaltet und der Betrachter sieht sich im Idealfall näher an den Charakteren, was für gesteigerte Empathie oder etwaiges Mitfiebern im weiteren Geschehen sorgt.

Ein weiteres Merkmal dieses Subgenres ist das persuasive Marketing. Sowohl die Filme selbst, als auch deren Veröffentlichungspolitik brechen mit der gewohnten Distanz zum Film. Da Found Footage-Filme mit dem Charakter werben, dass die gefundenen Aufnahmen von echten/gewöhnlichen Menschen gedreht wurden, die in der Folge dessen verstorben sind oder als vermisst gelten, eröffneten sich völlig neue Marketingstrukturen für die Veröffentlichung. Bereits bei Cannibal Holocaust wurde vertraglich vereinbart, dass die Schauspieler, die die vermisste Filmcrew im Film darstellen, nach Drehende für ein Jahr aus der Öffentlichkeit treten sollen. Somit wurde der Eindruck verstärkt, dass die Filmcrew nicht nur tatsächlich einmal existierte, sondern auch dem indigenen Kannibalenstamm zum Opfer fiel, deren Vorgänge auf dem Filmmaterial zu sehen sind. Aufgrund der krassen Darstellungen des Films wurde dieses Vorhaben jedoch bereits wenige Tage nach Veröffentlichung gekippt, da sich sowohl Regisseur als auch die Schauspieler vor Gericht verantworten mussten – weil davon ausgegangen wurde, dass die gedrehten Aufnahmen tatsächlich real seien.

Knapp 20 Jahre später griffen die Regisseure Eduardo Sánchez und Daniel Myrick in The Blair Witch Project genau diese Idee wieder auf und schmückten sie noch weiter aus. So sollten die Darsteller des Films nicht nur für einen bestimmten Zeitraum nach Drehende aus der Öffentlichkeit verschwinden, auch wurden diese auf imdB als vermisst gemeldet. Auf dem Filmfestival in Cannes wurden zudem Vermisstenflyer ausgeteilt und der Mythos auf dem der Film beruht, nämlich der der fiktiven Blair Witch, verbreitet (beispielsweise via Internetwebsite oder der Mockumentary Curse of the Blair Witch (US 1999; R: Eduardo Sánchez und Daniel Myrick)).

Mit der Umkehr des gewohnten Rollenverständnisses (die Filmenden sind in den meisten Fällen die Opfer) sorgte auch die Billigproduktion August Underground (USA 2001) von Fred Vogel für Aufsehen, wenn auch in deutlich kleinerem Rahmen. Hier filmen sich die Täter bei ihren Taten. Die extrem billige Qualität mit grobkörnigem Bild erinnert noch stärker an alte Homevideos mit frühen Kameramodellen und verleiht dem Film einen ebenso realistischen und vielleicht auch nostalgischen Anstrich. Auch hier sollte das Marketing besonders sein: Obwohl sich die Quellen nicht einig sind ob es tatsächlich so stattgefunden hat oder nur geplant war, sollten die Videobänder im Stadtgebiet, in dem der Film sich abspielt, an öffentlichen Orten verteilt werden. So hätte sich jeder Betrachter mit der Frage konfrontieren müssen, ob die Aufnahmen, welche hart an der Grenze zum Snufffilm angelegt waren, echt seien oder nicht, bzw. wie man darauf reagieren solle. Allein der Gedanke ist entweder erstaunlich clever oder strafrechtlich relevant. Doch auch hier wird wieder mit der Illusion gebrochen, dass es sich bei einem Found Footage-Film lediglich um einen Film handeln möge.

  1. Found Footage heute und Ausblick

Eine Frage, die sich in Anbetracht der veränderten Sehgewohnheiten des Zuschauers stellen muss, lautet, wie sich der Authentizitätsanspruch des Genres heute noch halten kann. Mythen und urbane Legenden existieren im Internet zuhauf, die meisten zum Gruseln ausgelegten Geschichten lassen sich jedoch innerhalb kürzester Zeit klären und auf Wahrheitsgehalt überprüfen. Werden vermeintlich echte Geschichten infolgedessen durchschaubar? Zudem spielt die kognitive Dissonanz der Filme eine immer größere Rolle: Wer hat das Material wo gefunden? Nicht immer sind die Orte der Aufnahmen zugänglich oder es bedarf eines äußerst glücklichen Zufalls, dass das Material den Weg in ein Abspielgerät findet. Ein weiterer Punkt, der immer häufiger zur Debatte steht, ist die Nutzung der Jumpscare-Stilistik. Ein Genre, das darauf ausgelegt ist seine Spannung weitestgehend daraus zu ziehen dass etwas passiert, läuft schnell Gefahr eintönig zu werden. Daher steht die Frage im Raum, ob, beziehungsweise wohin, sich das Found Footage-Format in Zukunft entwickeln wird.

Einen Ausblick darauf verschafft der Film Unfriended (USA 2014) von Levan Gabriadze.
In dem Film dreht sich alles um eine Gruppe Freunde, die in einer Skype-Videokonferenz miteinander kommunizieren. Als sich plötzlich ein unbekannter Nutzer in die Konferenz einklinkt, geschehen ungewöhnliche Dinge bis hin zu Todesfällen vor laufender Webcam.
Unfriended spielt sich komplett auf einem Computerdesktop ab, weshalb vom neumodischen Terminus Desktop Horror die Rede sein kann. Der Horror verlagert sich nun vom digitalen „Film“ auf den Computerscreen, was für eine Anpassung des Filmkonsums sprechen kann, der nun in die Richtung tendiert, via Computer oder Smartphone gesehen zu werden. Hypothetisch betrachtet wäre es möglich, dass diese neue Art des Horrors gerade Jugendliche anspricht, die mit Computern und sozialen Netzwerken eng vertraut sind. Der Horror gelangt dabei auf eine neue Ebene, die mit bekannten Mustern noch direkter greifen könnte, als es über eine Leinwand im Kino der Fall sein könnte, wo zumindest bei diesem Film die Immersion gebrochen würde, bei Betrachten am heimischen Computer aber durchaus verstärkt werden könnte. Ist das die neue Richtung des Found Footage-Formats? In Zeiten der Digitalisierung lassen sich Videoaufnahmen mit Sicherheit leichter finden, als noch vor 30 Jahren, als noch ein Suchtrupp in den Amazonas entsandt wurde, um die vermisste Filmcrew sowie das Filmmaterial zu bergen… Mit Sicherheit lässt sich sagen, dass der Horror neue Medien für sich gewinnen wird. Ob man Anfänge in der Literatur zu Rate zieht (s.o. Edgar Allan Poe) oder Orson Welles‘ Adaption von H.G. Wells‘ Krieg der Welten, dass die Zuhörer im Radio in den 1930er Jahren stark zu verunsichern wusste. Warum sollte der Horror als nicht von der Leinwand auf die Computer- oder Smartphonescreens überspringen?

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Weiterführende Found Footage-Filme:

  • Die Delegation (DE 1970), R: Rainer Erle
  • Cannibal Holocaust (IT 1980), R: Ruggero Deodato
  • The Blair Witch Project (US 1999), R: Eduardo Sánchez und Daniel Myrick
  • Curse of the Blair Witch (US 1999), R: Eduardo Sánchez und Daniel Myrick
  • August Underground (USA 2001), R: Fred Vogel
  • Paranormal Activity (US 2007), R: Oren Peli
  • Rec (ES 2007), Jaume Balagueró und Paco Plaza
  • The Taking of Deborah Logan (USA 2014), R: Adam Robitel
  • Unfriended (US 2014), R: Levan Gabriadze
  • The Visit (USA 2015), R: M. Night Shyamalan
  • Blair Witch (USA/CA 2016), R: Adam Wingard
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19 Kommentare zu “[Genre Spezial] Found Footage”

  1. Oh, spannend! Speziell Orson Wells‘ „Krieg der Welten“-Hörspiel hier mit einzubeziehen ist spannend. Ich weiß noch wie BWP damals die Kinozuschauer teils verunsichert hat. War ja noch vor den großen Internetzeiten. Heute ist Found Footage ja häufig einfach dem Budget geschuldet bzw. den aktuellen Komsumtrends von Bewegtbildmaterial.

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    1. Ja, „Krieg der Welten“ soll ja damals im Radio (man beachte auch den zeitlichen Kontext!) wirklich für Furore gesorgt haben. Im Radio ist es eben nochmal anders: Wenn du da die Einleitung verpasst… 😉
      Bei BWP war aber auch alles drumherum wirklich darauf ausgelegt, dass es geglaubt wird. Die Geschichte hat sich dann verselbstständigt obwohl sie nur ein Hoax war. Schon krass, gerade auch weil es vor Zeiten des Internets war. Genau.
      Oder es wird als (schlechtes) Gimmick missbraucht. Der wirkliche >Found< Footage wird ja nicht mehr soo ausgereizt.

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    1. Haha, vermutlich ist dir das ohnehin schon alles geläufig. 😉

      Btw. Wie kommt’s eigentlich, dass wir uns noch immer nicht getroffen haben, obwohl du nun schon seit geraumer Zeit wieder zurück im tristen DE bist (falls du dich nicht schon wieder davon gemacht hast 😛 )?

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  2. Toller Artikel!
    Um kurz auf deinen Ausblick einzugehen behaupte ich jetzt einfach mal, dass das FF-Genre langsam seinem Ende entgegen geht. Ich habe den zweiten Blair Witch zwar nicht gesehen, hatte aber beim Trailer (und den wenigen Besprechungen, die ich dazu gelesen habe) das Gefühl, dass mit allen „Genre-Regeln“ gebrochen wurde, um den Film einigermaßen spannend zu machen. Hinzu kommt, dass mittlerweile die meisten Smartphones in der Lage sind, Videos in besserer Qualität aufzunehmen als das in Paranormal Activity oder BWP zu sehen ist. Von daher würden diese Filme heute aus technischer Sicht schon nicht mehr so authentisch wirken wie noch vor 10-15 Jahren. Wenn man hingegen ohnehin fast professionelle Bilder nutzt, kann man ja auch gleich einen „normalen“ Horrorfilm drehen. Und die Information „basiert auf einer wahren Begebenheit“ nimmt mittlerweile ohnehin kaum noch jemand ernst.

    Deswegen glaube ich, dass das FF Genre wie du auch schon vermutet hast in Form von Amateur-Kurzfilmchen die sozialen Netzwerke und Videoplattformen auch in Zukunft heimsuchen wird. Im Kino bin ich da jedoch mehr als skeptisch.

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    1. Merci (auch fürs Teilen)!
      Ja, der Ansicht bin ich ebenfalls. Bei BW war es auch das Berufen auf den ersten Teil, der da noch krass mitmischte. Da haben sie einfach gehofft, anknüpfen zu können. Den Film habe ich aber auch nicht gesehen.
      Die Diskussion wegen der Smartphones hatten wir übrigens auch! Ist auch eine spannende Betrachtungsweise, wenn jeder quasi die Kamera in der Tasche hat und sich permanent alles filmen ließe – egal ob real oder fake. Aber auch hier gehts wieder um die Frage, ob sich aus allem ein Mythos bilden ließe, den die Zuschauer dann wieder für Voll nehmen würden.
      Mit der Qualität ist auch so eine Frage. Ich schätze dass die o.g. Filme durchaus noch funktionieren, nur eben nicht mehr bei Jugendlichen. Alle anderen, die diese Homevideo-Schiene privat mal bedient haben, dürften aber immer noch nostalgisch zurückdenken… Oder es einfach als Gimmick nutzen (s. „Dawn of the Dead“ (2004 US) Remake Endcredits). Wirkung hat es, aber als Ausblick auf die Zukunft denke ich ebenfalls, dass das keine (massen)taugliche Zukunft mehr hat.

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  3. Zählen denn so Sachen wie Unfriend explizit zu Found Footage? Immerhin gibt es ja niemanden, der das Material gefunden hat, sondern wir erleben das Geschehen in Echtzeit als Quasi-Mitskyper. Falls man das wie die Benutzung on Handkamers trotzdem unter diesem Apsekt beleuchten kann, fände ich es sehr interessant, wenn du in einem zweiten Teil auf ein Übergreifen der Machart in andere Genres hinein, eingehen würdest. Beispiel Das Hocheitsvideo oder Chronicle.

    Alles in allem interessanter Artikel und ich wäre froh, wenn ich solche Seminare in meinem Studiengang hätte 🙂

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    1. Ohne jetzt eine offizielle Definition zu kennen, würde ich einfach mal behaupten, dass Found Footage Filme mittlerweile nicht zwangsläufig von irgendjemand gefunden werden müssen. 😀 Auch wenn der Name dann natürlich nur noch wenig Sinn ergibt. Ich glaube die Möglichkeit, dass die Aufnahmen gefunden werden könnten, reicht für eine Einordung in die Schublade aus 😉
      Wobei ich „Unfriend“ da auch raus lassen würde.

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      1. So ganz eindeutig kann ich das auch nicht beantworten, da die Grenzen verschwimmen. Allerdings würde ich speziell Filme wie „Unfriended“ nicht mehr zum Found Footage zählen. Klar, es wird von einer Webcam gefilmt, etc. pp, aber der Aspekt des Findens spielt eine Rolle. Wie oben bereits geschrieben wurde für den Film zumindest in den Weiten des Internets der Begriff des ‚Desktop Horrors‘ genutzt. Von daher ließe es sich eventuell und auch nur ganz womöglich vielleicht als Subgenre des Subgenres betrachten. Gerade solche Filme haben ja noch einiges an Potential zu bieten, das erst noch ausgeschöpft werden muss. Aber damit habe ich mich noch nicht beschäftigt, von daher mal sehen was die Zukunft bringt.
        Generell kann aber gesagt werden, dass Handkamera =/= Found Footage ist. Folgende Punkte sind für das Format wichtig:
        – Die Aufnahmen werden gefunden und als wahre Begebenheit dargestellt
        – Es sind i.d.R. Aufnahmen vermisster/verstorbener Personen
        – Das Geschehen wird mit Handkamera – meist von den Darstellern selbst – gefilmt
        – Häufig geringes Budget, was die Art der Darstellung (Kamera) erst ‚ermöglicht‘
        – vermeintlich natürliches Schauspiel (geprägt von Improvisation) und gefilmtes Alltägliches

        Zu deinem letzten Punkt @Filmkritiken:
        Das Nutzen einer Handkamera kann den Immersionsgrad erhöhen, da man das Geschehen aus noch persönlicherer Sicht (fast schon POV des Protagonisten) sieht. Ich würde es daher lediglich als Stilmittel betrachten, um näher bei den Personen dran zu sein, bzw. dem ganzen einen Authentizitätsanspruch zuzuschreiben, ohne dass dies zuvor explizit behauptet wird. Also mehr als „gefaketen Realismus“, wenn du verstehst was ich meine. Die Endcreditsequenz in „Dawn of the Dead“ (2004 US) macht ja genau das. Zuvor ein kompletter Spielfilm, wechselt die Perspektive dann auf die einer Digitalkamera. Was eine ganz gezielte Wirkung erzielt. Von daher würde ich das einfach nur als Gimmick betrachten.

        PS: Du musst schon Glück haben, um einigermaßen interessante Kurse zusammenzubekommen… *seufz* Ich habe ja das Gefühl im falschen Jahr angefangen zu haben, wenn ich sehe was es vorher für eine Auswahl gab.

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    1. Ups… Keine Found Footage Filme. Damit kann ich leben. Aber dennoch werden sie immer wieder als solche bezeichnet.

      Was den „Desktop Horror“ angeht fehlt mir echt due Phantasie, wie die Idee weitergeführt werden könnte. Da bin ich echt gespannt.

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      1. Naja, gut. Unter was sie geführt werden ist auch immer eine Frage. Wenn du nach „Unfriended“ googlest, dann fällt auch nur der Begriff des FF. Was wir aber faktisch widerlegt, oder wo wir zumindest strittig sind. Muss von Fall zu Fall unterschieden werden. Vllt schaue ich mir „Chronicle“ in nächster Zeit mal genauer an.
        Beim „Desktop Horror“ gibts eigt. viele Möglichkeiten. Da ist nur die Frage inwiefern es sich dann noch als „Film“ bezeichnen ließe, wenn z.B. noch andere Techniken einfließen. Du schaust z.B. einen Film wie „Unfriended“ auf dem PC und plötzlich öffnet sich ebenda ein Skypechatroom als Gimmick. Meine Gedanken sind hier aber wirklich schon auf dem geräteabhängigen System und nicht mehr im Kino.

        Es gibt bspw. schon Spiele, in denen du von einem fiktiven Charakter angerufen(!) wirst oder mit ihr chatten musst. Oder man fängt an, mit Virtual Reality rumzuspinnen. Wobei das schon zu weit gedacht ist. Aber wer weiß…?

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  4. Ich bin auch gespannt, wie sich das Genre entwickelt. Ich hatte letztens im Fernsehen auf „Rec“ geschalten, den ich damals sehr mochte, musste aber schnell feststellen, dass er jetzt auf mich billig und langweilig wirkt. Fand ich irgendwie bedenklich, da der Film noch keine 20 Jahre auf dem Buckel hat. Oh krass, der ist dafür ganze 10 Jahre alt. Oh mann…
    Ich glaube aber das viele neue Vertreter des Genres heutzutage nicht recht funktionieren, da sie so verdammt digital aussehen. Zu glatt, zu gut und vielzu viele CGI-Effekte. „Cannibal Holocaust“ widert einen allein schon wegen den authentischen Tötungsszenen an, die eben real sind. Da kann man schnell Schlüsse ziehen, dass da vielleicht auch mehr dem gezeigten entspreche.

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    1. Jetzt mal kurz abgesehen von der eigentlichen Diskussion: Hast du auch das Geühl, dass die Qualität von CGI wieder zurückgeht? Gerade in den Megablockbustern? Das fällt immer stärker auf, finde ich…
      Aber ja, ich kann nachvollziehen wie es dir ergeht. Geht mir genauso. Wobei gerade beim Found Footage ja eigentlich der Trick sein sollte, nicht zuviel zu zeigen. Da sehe ich in anderen Genres/Produktionen deutlich stärkere Mängel, als hier.

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  5. Super Beitrag. Ist so gar nicht mein Genre, aber ich fand es dennoch interessant zu lesen. Leider ist die ganze Marketing-Maschine um The Blair Witch Project völlig an mir vorbeigegangen. Ist eben nicht mehr so cool, sich das hinterher alles anzuschauen.

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