[Film] Nichts zu verschenken (2016 FR)

Alle paar Monate geht’s spontan in die Sneak Preview und alle paar Schaltjahre gibt es sogar einen richtig netten Film zu sehen. Nur.nicht.(vor)gestern.

Gauthier (Dany Boon) ist knauserig. Nein, er ist geldgeil. Sämtliche Ausgaben sind auf das Minimum reduziert, sein Bankier spielt mehr oder minder die Rolle eines Küchen-Psychologen und wehe, der berechnete Betrag beim Einkauf stimmt nicht mit der eigenen Rechnung überein! Während sein Kontostand gedeiht, wachsen ihm allerdings zwei völlig aus der Rolle fallenden Frauen über den Kopf, die plötzlich in sein Leben treten. Nicht nur sein Geld sieht er in Gefahr, auch sein Lebensstil stößt alles andere als auf Anerkennung. Wären da nicht ein paar Kinder in Mexiko…

Auf die Franzosen ist Verlass, wenn es darum geht, regelmäßig Komödien in die Kinosäle zu pumpen. Und da ist natürlich auch Dany Boon kein Fremder. Ob Nichts zu verschenken allerdings auch nur ansatzweise Aufmerksamkeit verdienen sollte? Nein! Ganz und gar nicht.

Der Film lebt von einer Prämisse, die nach wenigen Minuten ausgelutscht und echt nicht mehr lustig ist. Als Kurzfilm hätte die Idee, ein Sparfuchs zu sein, womöglich Früchte getragen, aber selbst daran scheitert diese vermeintliche Komödie. Unerträglich platt und in permanenter Dauerschleife mit seinen Gags und der Erzählung und überhaupt allem, was man nur wiederholen kann, nudelt dieser lieblos hingeklatschte Film vor sich hin und pfeift auf Timing oder eine konsequente Narration. Sobald der Film dann selbst merkt, wie untragbar die drölftausendste Wiederholung ist, das Licht ausschalten zu müssen, um bloß den Zählerstand nicht in die Höhe zu treiben, springt er plötzlich auf verbalen Durchfall um. Mit grenzdebilen Wutausbrüchen, die so gar nicht in das schwammige Konzept passen, wächst der Fremdschamfaktor um ein Vielfaches.

Aber um Konsequenz schert sich hier eh keiner. Als wäre ein Übel nicht schon genug, müssen gleich zwei Frauenfiguren so verschwachmatisiert werden, dass wir wieder beim Fremdschämen angelangt sind. Während auf der einen Schiene ein schmollendes Kitsch-Familiendrama bedient wird, bei dem man echt meinen möchte, dass die Dame mit der Masche nur an Gauthiers mühsam Erspartes möchte, darf auf der anderen Seite eine völlig hirnlose Romanze durchgekaut werden. Dabei wird seitens der Frau nicht nur permanent wie ein dummes Rehkitz auf der Straße geglotzt, sondern auch mit Fäkalhumor um sich geschmissen, wenn man selbst merkt, wie unlustig das Ganze doch nach kurzer Zeit schon geworden ist und man irgendetwas braucht, um wenigstens so zu tun, als sei irgendetwas lustig. Vielleicht sind das aber auch nur verbale Ausraster, die das eigene Seelenpein wiederspiegeln, in was für einem Drecksfilm man doch gelandet ist.

Und das schlimmste an allem? Nichts zu verschenken bietet keinerlei Moral. Er existiert nur so vor sich hin, ohne überhaupt einen Mehrwert zu bieten, der auch nur ansatzweise über die knapp anderthalb Stunden hinausreicht. Sparen ist geil, und Ticks können durchaus lustig inszeniert werden. Aber hier stimmt rein gar nichts. Aus diesen Gründen darf sich dieser Unfilm um den ersten Platz der grausigsten Filme in der Sneak streiten… Adios, gringo!

1/10 Punkte

[Film] Nichts zu verschenken (2016 FR)-PosterNichts zu verschenken [Radin!]
Jahr: 2016 FR
Laufzeit: 89 Minuten
Regie: Fred Cavayé | Drehbuch: Laurent Turner, Nicolas Cuche
Kamera: Laurent Dailland
Musik: Klaus Badelt
Cast:
Dany Boon, Laurence Arné, Noémie Schmidt, Patrick Ridremont, Christophe Canard, Sébastien Chabal, Christophe Favre, Yvonne Gradelet, Karina Marimon

Bilder [© Wild Bunch Germany]

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2 Kommentare zu „[Film] Nichts zu verschenken (2016 FR)“

  1. Hihi. Wahrscheinlich ist deine Einleitung zu diesem Beitrag lustiger als der Film. Ich musste jedenfalls ein bisschen lachen. Je mehr Filme Dany Boon rausbringt, desto stärker beschleicht mich das Gefühl, dass „Willkommen bei den Sch’tis“ (den ich damals schon – zumindest für ein deutsches Publikum – ziemlich überwertet fand) eine positive Ausnahme war…

    Gefällt 1 Person

    1. Wahrscheinlich ist einfach alles lustiger, als dieser Film… aber ergötze dich nur an meiner Pein. 😀
      Es war schon ein wenig mies, wenn du vorher die Trailer zu GitS, Blade Runner, Alien: Covenant, etc. präsentiert bekommst und so Bock auf einen geilen Film hast. Und dann… ja. Toll. Irgendwie typisch.
      Dany Boon mag ja lustige Einfälle haben, und er hat auch diese trockene Art an sich, mit der man diverse Situationen gut meistern kann. Aber jedesmal wenn ich einen Trailer zu seinen neuen Filmen sehe, bekomme ich noch weniger Lust darauf. Vllt. war „Willkommen bei den Sch’tis“ die Wende? Keine Ahnung..

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