[Festival] Nippon Connection 2017: WarmUp!

Herrjemine, das war ein ganz schönes hin und her, aber nun kann ich offiziell verkünden, auch dieses Jahr wieder am Start der Nippon
Connection
2017 zu sein. Kudos mal kurz an das PR-Team des Festivals, die mir noch etwas Schützenhilfe gaben: Ihr seid super!

NC17_postkarte_dt_web

Vom 23. bis 28. Mai treffen sich wieder Freunde und Filmschaffende des japanischen Kinos, der Kultur oder auch nur des Essens in Frankfurt am Main. Was jetzt wie ein platter Werbeslogan klingt, soll nur die familiäre Stimmung des größten japanischen Filmfestivals unterstreichen, die ich bereits im letzten² Jahr genießen³ konnte.
Gefühlt auf einem Haufen läuft man sich zwischen Mousonturm, Naxoshalle oder Filmmuseum über den Weg, trifft hier mal eben einen Star des japanischen Kinos (ich hoffe doch sehr auf ein Autogramm vom diesjährigen Nippon Honor Award-Träger Kōji Yakusho…! *pfeif*) oder hier eine/n Regisseur/in, der/die mal eben einen glanzvollen Film vorgestellt hat… und natürlich Blogger-/Podcaster-Freunde, zwischen denen sich bereits im letzten Jahr virtuelle und analoge Freundschaften herauskristallisiert haben und deren Bande gepflegt werden wollen.
PS: Ich bin jetzt blond. Also nicht vom Bild auf dem Ausweis irritieren lassen, klar? 😉

Die Filmauswahl

Im folgenden Artikel stelle ich euch einige Filme der diesjährigen Ausgabe vor, in der Hoffnung, dass sich vielleicht der ein oder andere spontan nach Frankfurt verirren möge… Aufgrund der riesigen Auswahl beschränke ich mich jedoch auf einige für mich interessante Filme, die irgendwie in dem straffen Zeitplan untergebracht werden wollen. Das komplette Programm könnt ihr euch bei Bedarf hier ansehen (selbiges gilt auch für kulturelle oder kulinarische Angebote).

Wo der Fokus der Nippon Connection im letzten Jahr auf der Aufarbeitung der Fukushima-Katastrophe und dem Druck sozialer Normen innerhalb der japanischen Gesellschaft lag, widmet sich die nun 17. Ausgabe des Festivals neben dem Dokumentarfilm auch dem Roman-Porno-Genre der 1970er Jahre unter dem Motto „Ecstasy and Desire“. Neben der Dokumentation Mifune: The Last Samurai von Steven Okazaki dürfen sich Filmfreunde auf zahlreiche 35mm Vorführungen der von Nikkatsu produzierten 70er Jahre
Hochglanzerotikfilme wie Night of the Felines oder Ecstasy of the Black Rose freuen, die Rahmen der Nippon Retro aufgeführt werden.

Nippon Cinema

Wer sich den Lustspielen eher abgeneigt sieht, hat dennoch Grund genug zur Freude, denn das restliche Filmprogramm bietet genug Abwechslung, um auch dort fündig zu werden. So wird in etwa der neueste japanische Monsterfilm Shin Godzilla gezeigt, der die imposante Riesenechse wieder auf technischen Vordermann bringt.
Mit Daguerreotype wagt sich Meisterregisseur Kiyoshi Kurosawa erstmals ins Ausland, genauer gesagt nach Frankreich. Wie von Kurosawa gewohnt, handelt dieser mysteriöse Film von Geistern aus der Vergangenheit, welche die Lebenden heimsuchen, was für eine vielversprechende Schaueratmosphäre Sorge tragen dürfte.

Auf (verbale) Konfrontation sind die Gäste einer Party in At the
Terrace
aus: Hier wird sich angekeift, bis alle Hemmungen verschwinden und die freundlichen Masken fallen gelassen werden. In
Destruction Babies hingegen, beschränken sich die Konflikte nicht nur auf Verbalattacken. Hier werden Meinungsverschiedenheiten unter Jugendlichen mit blutigen Fäusten ausgetragen, was in einer pessimistischen Spirale der Gewalt münden wird. Ich bin mal so frei und unterstelle dem Film eine ähnliche Härte, wie sie Ken and Kazu im letzten Jahr bereits präsentierte. Wenn Destruction Babies ähnlich ambivalent in seiner Darstellung der Härte agiert, dann dürfte sich hier ein kleiner Geheimtipp herausbilden.

Wenn japanische Filme eines gut können, dann die Darstellung von einreißenden Familienbildern. In Koji Fukadas Harmonium droht genau dies zu geschehen, wenn Werkstattbesitzer Toshio die neue Aushilfe Yasaka (Tadanobu Asano) einstellt. Mit diesem Cannes Gewinner 2016 („Un Certain Regard“) dürfte sich in vielerlei Hinsicht einer der spannendesten Filme der diesjährigen Auswahl präsentieren. Mit dem Eröffnungsfilm Her Love Boils Bathwater von Ryota Nakano dürfte sich eine kleine Perle im Programm verstecken: Nachdem sich ihr Ehemann plötzlich aus dem Staub gemacht hat, muss sich Futaba allein um ihre Tochter kümmern. Nicht nur das Badehaus muss sie schließen, auch die Krebsdiagnose trifft sie aus heiterem Himmel. Doch sie lässt sich nicht klein kriegen und setzt alles daran, die Familie wiederzuvereinen. Warum also eine kleine Perle? Bereits im letzten Jahr konnte sich das Krebsdrama Pieta in the
Toilet
von den Zuschauern feiern lassen. Auch hier durfte sich das Drama von leichtem Humor durchweichen lassen, was das Gefühlskino noch wuchtiger gestaltete, als es nur nüchtern zu erzählen. Hier verspreche ich mir einen ähnlichen Effekt.

Regisseur SABU, welcher mit gleich zwei Filmen auf der Nippon Connection vertreten ist, begibt sich mit diesen auf unterschiedliches Terrain: In Happiness trägt ein mysteriöser Mann einen Helm mit sich, der dem Träger ermöglicht, sich in den glücklichsten Moment seines Lebens zurückzuversetzen. Alle freuen sich über diese Erfahrung, nichtsahnend, was der mysteriöse Fremde damit eigentlich bezwecken möchte.
In Mr. Long kümmert sich ein kleiner Junge um den taiwanesischen Auftragskiller Mr. Long. Im Handumdrehen ist dieser wieder auf den Beinen und ungewollter, aber erfolgreicher Imbissbudenbesitzer. Dies zieht natürlich nicht nur die Neugierde der Nachbarschaft auf sich, sondern auch die alter Bekannter aus vergangenen Zeiten…

Etwas ruhiger präsentiert sich Over the Fence von Nobuhiro Yamashita, in dessen gemächlichem Drama zwei Menschen (Joe Odagiri & Yu Aoi) aus dem Stillstand ihrer Leben ausbrechen wollen. Eine Prise Joe Odagiri hat noch keinem geschadet…
Ein weiterer Film, auf den ich mich bereits sehr freue, ist Satoshi: A Move for Tomorrow, welcher auf der wahren Geschichte des früh verstorbenen Shogi-Meisters (eine Form japanischen Schachs) Satoshi Murayama beruht. Ein wahrscheinlich ruhig inszenierter Film, der seine Spannung allein aus den Charakteren beziehen wird.
Witziger wird es hingegen wieder in Survival Family, wenn Großstädter mit den Auswüchsen eines großen Stromausfalls zurechtkommen müssen. Apokalypse mal anders: Hier in Form einer Odyssee durch die japanische Provinz. Apropos Provinz: In Wet Woman in the Wind versucht sich Kosuke, allem zu entsagen und baut sich eine Hütte auf dem Land. Ein paar Freundschaften knüpft er dennoch mit ein paar Bewohnern des nächstgelegenen Städtchens. Obwohl er nichts anderes will, als seine Ruhe zu haben, um gemächlich über alles Erdrückende nachzudenken, stellt ihn Shiori, eine Aushilfskellnerin auf eine fiese Probe.

Wer Filme nur mit schmackhaftem Essen schauen möchte, der hat die Möglichkeit, im Filmdinner den Klassiker Tampopo zu schauen. Und wem eine Ladung Kōji Yakusho nicht genug ist, der kann auch gleich zum Special Screening Shall We Dance? wandern, der sogar auf 35mm gezeigt wird. Das lässt jedes Filmherz höherschlagen.

Nippon Animation

Anime- & Mangafreunde haben ebenso wenig Grund zu klagen: Mit den Realfilmen zu den erfolgreichen Manga Death Note – Light up the NEW World und I Am a Hero werden ernste Thrillertöne angeschlagen. Für die kleinen Zuschauer eignen sich hingegen Filme wie Chieri and Cherry oder Rudolf the Black Cat, in welchem sich eine Katze in der Millionenmetropole Tokio verirrt und einen Weg nach Hause sucht. Auf dem Weg begegnen ihm viele Artgenossen, die Rudolf unterstützen.

Lange erwartet, feiert endlich der Animationsfilm zum gleichnamigen Manga A Silent Voice seine Deutschlandpremiere. Rüpel Shoya findet in seiner Mitschülerin, der gehörlosen Shoko, das ideale Mobbingopfer. Als diese aufgrund der immer schlimmeren Mobbingattacken die Schule verlässt, verkommt Shoya immer mehr selbst zum Außenseiter, der von Lehrern und Mitschülern gemieden wird. Jahre später treffen die beiden wieder aufeinander und Shoya versucht, die Dinge diesmal richtig zu machen. Wem das zu viel Schulromantik ist, der sollte sich In this Corner of the World ansehen. In einem ähnlichen Stil wie der Ghiblifilm Die letzten Glühwürmchen, muss die Protagonistin in In this Corner of the World im Jahr 1944 um das Überleben kämpfen, und im Angesicht der Katastrophe und des Kriegs erwachsen werden.

Nippon Vision

Wer dachte, das sei schon alles, der hat die Kategorie Nippon Vision nicht auf dem Schirm, in welcher sich v.a. Nachwuchsregisseure profilieren können. Zahlreiche dokumentarische Filme werden präsentiert, wie etwa Itakos Boys for Sale, der einen schonungslosen Blick hinter die glitzernden Fassaden des Tokioter Vergnügungsviertels Shinjuku 2-chome verspricht. Nicht ganz so deprimierend wird vermutlich das Indiedrama Dynamite Wolf, in dem ein kleiner Grundschüler vor seiner großen existenziellen Sinnkrise steht: Wo sieht man sich ohne Begabung oder Traum in der Zukunft? Ein Wrestling-Match des beliebten Dynamite Wolf soll ihn in die richtige Bahn lenken… Vor einer ebenso wichtigen Frage stehen die Protagonisten in Love and Goodbye and Hawaii. Denn wie beendet man eine Beziehung richtig? Und was macht man, wenn es nach der Trennung merklich besser für beide läuft? Ein etwas anderer Blick, auf bereits ausgewalzte Beziehungsmotive im Kino!
Tokio bietet sich dafür an, wenn man in den Menschenmassen verschwinden möchte. Und doch treffen in The Tokyo Night Sky Is
Always the Densest Shade of Blue
zwei Menschen immer wieder aufeinander. Nach einiger Zeit der Annäherung stellen beide fest, dass sich die Einsamkeit gemeinsam besser ertragen lässt, als sich allein durchs triste Leben schlagen zu müssen. Na wenn das mal nicht nach langen Einstellungen und starren Blicken ruft… genau mein Ding.


Persönliche Notiz

Dass es noch zahlreiche kulturelle Spielereien und Attraktionen auf der Nippon Connection geben wird, spare ich an der Stelle mal aus. Diese könnt ihr dem Programm entnehmen. Ich bin vorranging umhin eher der Filme wegen vor Ort und natürlich, um den kulinarischen Horizont zu erweitern. Was auch sonst… *lach*

Wie ihr seht, ist das Programm vollgestopft mit hoffentlich äußerst sehenswerten Filmen, wo für jeden Filmfreund etwas Spannendes dabei sein wird. In den kommenden Tagen werde ich meinen Zeitplan überblickshalber hochladen (Änderungen jederzeit vorbehalten) und vielleicht läuft man sich ja öfters über den Weg. Ich würde mich freuen! Und wenn alle Stricke reißen, sieht man sich aller spätestens wieder zum NipponConnectionFilmBloggerFilmPodcasterPowWow (Ich geb’s zu, ich hab den Zungenbrecher kopieren müssen…), der am Freitag wieder vom Team der Nippon Connection und den liebsten Filmpodcastlern, Schöner Denken, organisiert wird und in ausufernden Meinungsaustausch und -plausch münden wird – bei einem leckeren Frühstück, wohlgemerkt.

Da mein Tagesablauf während des Festivals so aussehen wird:
Aufstehen – Frühstück – mit den Öffis nach Frankfurt (+/- ’ne Stunde) – Filme gucken – Filme gucken – Filme gucken – vllt ein paar Kekse naschen – Filme gucken – zusehen, wie man wieder nach Hause kommt (+/- 2-3 Stunden) – duschen – ins Bett fallen – Repeat from the start;
bin ich meistens nur spontan irgendwo dabei und kann während des Festivals keine umfangreichen Reviews versprechen. Auf Twitter werde ich jedoch Impressionen des Festivals mit euch teilen, sowie Reviews im 140-Zeichen Format. Eventuell teste ich auch die WordPressApp vom Smartphone aus und tippe kurze Gedankengänge. Der Rest folgt dann danach. Also müsst ihr vorerst keine Artikelflut befürchten. Die kommt erst später…

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Ein Kommentar zu “[Festival] Nippon Connection 2017: WarmUp!”

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