[NCFF 2017] Wet Woman in the Wind (JP 2016)

Wenn die 17. Ausgabe des Nippon Connection Film Festivals schon unter dem Titel „Ecstasy & Desire“ läuft und zahlreiche 70er Jahre Roman Porno-Filme im Deutschen Filmmuseum auf 35mm präsentiert werden, dann darf natürlich auch keine Review zu einem Film dieser Art fehlen. Auch wenn es sich hier aus Zeitgründen bei Wet Woman in the Wind lediglich um eines von fünf Reboots zu den 70er/80er Jahre Hochglanzsoftpornfilmchen aus dem Studio Nikkatsu handelt. Es ist zeitlich einfach kaum schaffbar, zwischen allen möglichen Locations zu pendeln.

Selten war der Name derart Programm:
Kosuke (Tasuku Nagaoka), seinesgleichen Author von Theaterstücken und Womanizer in Tokyo, hat die Schnauze voll von Beruf und Frauen. Also zieht er ins japanische Hinterland und baut sich dort gänzlich abgelegen eine spartanische Hütte. In der Hoffnung, in Ruhe über den Sinn seines Lebens zu sinnieren, wird die Stille von der aggressiven Shiori (Yuki Mamiya) gebrochen. Sie stellt Kosuke nicht nur in Sachen Geduld auf die Probe, auch sein selbst auferlegtes  Enthaltsamkeitsgelübde sieht sich einer unausweichlichen Gefahr ausgesetzt.

[NCFF-2017]-Wet-Woman-in-the-Wind-(JP-2016)-Tasuku-Nagaoka-Yuki-Mamiya
Shiori radelt ins Wasser, denn sie ist die WET WOMAN IN THE WIND!

Kurz vor dem Screening warnte Regisseur Akihiko Shiota sämtliche Zuschauer noch, dass der folgende Film vorrangig für Männer gemacht sei. Es handele sich um einen Softporno, der aber immerhin so viel „romantische“ Geschichte in petto halte, dass auch Frauen ihren Spaß mit dem Erotikfilm haben würden. Und dem kann von meiner Seite nichts entgegengesetzt werden.

Wet Woman in the Wind ist ein inhaltloser Softporno, der sich seinen Genreklischees völlig hingibt, es aber auf so ehrliche Weise anstellt, dass Mann und Frau gleichermaßen ihren Spaß haben können – auch losgelöst von sexuellen Aspekten.

Der Reiz des Films liegt, neben der stimmigen Chemie der beiden Hauptakteure Tasuku Nagaoka und Yuki Mamiya, in den skurrilen Einfällen des Drehbuchs. Der Film beginnt mit einer Einstellung auf Kosuke, der einsam am Pier sitzt und gedankenverloren auf das Wasser starrt. Aus heiterem Himmel schwenkt die Kamera nach rechts, als Shiori auf ihrem Rad ohne ersichtlichen Grund die Hafenkante hinabsaust und ins Wasser fährt, wieder hinaussteigt und sich erst mal genüsslich ihrer nassen Kleidung entledigt, während – ganz im Sinne des Filmtitels – der Wind bläst, um ihre Kurven und das lange schwarze Haar genüsslich zu betonen. Von nun an entwickelt sich ein bissiges Katz- und Mausspiel zwischen zwei übergroßen Egos, die unerbittlich versuchen, den jeweils anderen rumzukriegen, bzw. zu ignorieren. Dumm nur für Kosuke, der das Anhängsel ungewollt schnurrstracks zu seinem abgelegenen Rückzugsort führt und seine idyllische Ruhe von nun an Geschichte ist.

Natürlich lässt sich zu jedem Zeitpunkt genau voraussagen, was wann, wo und zwischen wem geschehen wird. Aber das ist tatsächlich Nebensache, denn die Interaktion zwischen den unterschiedlichen Charakteren sorgt zu jeder Zeit für heitere Stimmung. Da macht es auch nichts, dass zahlreiche Witze so flach sind, dass man drüber stolpern kann oder Shioris Charakter wegen ihrer Eintönigkeit auf Dauer doch ziemlich nervtötend wird. Im Zusammenspiel mit Nagaoka gelingt es Mamiya jedoch, eine intensive, angespannte Atmosphäre zu erzeugen und neben Kosuke auch den Zuschauer ständig auf die Probe zu stellen, wer hier überhaupt am längeren Hebel sitzt. Denn der Ausgang des Films ist von Genrewegen her betrachtet, ohnehin klar… doch das umeinander tänzeln und Ausbooten der beiden bleibt über die kurzweiligen 78 Minuten ein Heidenspaß, gerade wenn sich beobachten lässt, wie Kosuke immer öfters schwer schlucken muss, um sich nicht doch seinem Trieb hinzugeben, der hier natürlich völlig nachvollziehbar ist. Gerade wenn vier Herren einer Theatergruppe Schlange stehen, um von einer bestimmten Dame verführt zu werden…  Irgendwie sympathisch, irgendwo verschroben, klar künstlich, aber sich selbst immer bewusst. Der Kinosaal hat sich köstlich amüsiert.

Wet Woman in the Wind ist ein spaßiger Beitrag des Roman Porno Reboot Projekts von Nikkatsu, der zwar nie über seinen Softpornanspruch hinauswächst, dafür aber einen Höhepunkt liefert, der selbst die wilden Wölfe aufheulen lässt.

6/10 Punkte

[NCFF-2017]-Wet-Woman-in-the-Wind-(JP-2016)-PosterWet Woman in the Wind [Kaze ni Nureta Onna; 風に濡れた女]
Jahr: 2016 JP
Laufzeit: 78 Minuten
Regie & Drehbuch: Akihito Shiota
Kamera: Hidetoshi Shinomiya
Cast:
Tasuku Nagaoka, Yuki Mamiya, Ryushin Tei, Takahiro Kato

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2 Kommentare zu „[NCFF 2017] Wet Woman in the Wind (JP 2016)“

  1. Oh man – den wollte ich echt gern sehen, ich fand, das schon der Trailer echt Laune gemacht hat. Wobei Softpornos im Kino mit vielen anderen Menschen schauen ist mir nich etwas merkwürdig … vielleicht bin ich deswegen nicht gegangen 😀 Ich hab jetzt nur nicht so richtig rausgelesen, warum er punktemäßig so eher im Mittelfeld abschneidet?

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    1. Du, manchmal macht genau das ziemlichen Spaß. Er war nun nicht sehr explizit und deutlich als Sexkomödie ausgelegt. Da war es weitaus weniger peinlich. Ich frage mich eher, wie die Vorführungen im Filmmuseum so waren…? 😉
      Naja, 6 Punkte ist echt in Ordnung für den Film. Es ist rein anspruchslose Unterhaltung mit wenig Mehrwert. Aber dafür kurzweilig und unterhaltend. Außerdem ging mir die Hauptdarstellerin mit ihrer Art doch schnell gegen den Strich. Es relativiert sich also einiges.

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