[Film] Alien: Covenant (2017 US)

Und auch nach dem zweiten Prequel zu Alien, Alien: Covenant, zeigt sich Ridley Scott unermüdlich und lässt noch immer Raum für weitere Teile. Das Mysterium um die Aliens wird nach und nach aufgedröselt, die Brücke zu den Ursprungsfilmen immer offensichtlicher und doch…

Die Ausgangslage in Alien: Covenant ist okay. Nichts neues, auch etwas stereotyp vielleicht (nach modernen Maßstäben in Film), aber es stört nicht sonderlich, dass es sich um eine Kolonisierungsmission handelt. Denn zehn Jahre nach Verschwinden der Prometheus soll nun die Covenant neue Wohngründe für die Menschheit im Weltraum besiedeln. Nach einem Unfall steht die Crew jedoch vor der Überlegung, den ursprünglich ausgewählten, aber noch weit entfernten Planeten anzupeilen, oder einem fremden Signal zu folgen und einen bisher unentdeckten Planeten anzusteuern, was wertvolle Zeit- und Ressourceneinsparungen nach sich ziehen würde. Es kommt wie es kommt und die Covenant verfolgt das Signal…

Ich werde allmählich müde, die immer gleichen Handlungselemente in modernen Filmen zu sehen. So beginnt Alien: Covenant mit der feschen Situation, dass die Crew aufgrund eines Unfalls aus ihrem Kälteschlaf gerissen wird. Nicht jedes Mitglied überlebt diesen Zwischenfall und die Mannschaft sieht sich schon früh in ihren Fundamenten erschüttert. Der erste zwischenmenschliche Konflikt lässt ebenfalls nicht lange auf sich warten. Es folgen Charakterisierungen, die dank altbekannter Muster nur für Kopfschütteln sorgen und einige Handlungselemente aufgrund ihrer Relationen zueinander bereits erahnen lassen. Dabei handelt es sich keineswegs um Foreshadowing, dennoch wäre es mal ganz angenehm, würde sich eine Expeditionscrew von vornherein und ohne Einschränkungen an jede vorgegebene Anweisung halten. So würde sich nicht jeder dritte Sci-Fi-Film an irrationalen Handlungsweisen aufhängen und sich auch nicht das Prädikat „handelt dumm, sie werden sterben“ verdienen. Vielleicht ist es nur Wunschdenken meinerseits, aber zumindest etwas Sinn in diversen Methoden sollte gerade in einem Science-Fiction-Werk vorhanden sein, um nicht ständig mit dem Kopf schütteln zu müssen. Der Alienklon Life mit Jake Gyllenhaal und Co. hatte es bis zu einem Punkt richtig gemacht und angenehme Hard-Sci-Fi geboten. Daraus ergab sich ein weites Feld an interessanten Konflikten und Möglichkeiten der Problemlösung. Doch Alien: Covenant scheint daran nicht interessiert und backt die vermeintlich altbewährte Formel zum x-ten Mal neu auf.

Dass die Mannschaft der Covenant weitestgehend ohne Profil bleibt (merkt man sich überhaupt die Namen, mal abgesehen von Fassbenders Androiden?), scheint weder die Drehbuchschreiber noch die Regie zu stören, genauso dass ein guter Teil an Handlung aus Prometheus übernommen wirkt und wenig eigenen Input liefert. Es wird munter auf Sporen getreten und (bewusst!) gedrückt, von der Gruppe entfernt… jedes einzelne Crewmitglied bettelt förmlich darum, das Zeitliche zu segnen. Es muss ja nun nicht jeder Film mit übermäßig viel Anspruch gesegnet sein, aber zumindest etwas kollektives logisches Denken sollte doch erwartbar sein. Gerade wenn ein Film die Brücke zu einer der kultigsten Filmreihe aller Zeiten schlagen möchte. Handlungsweisend macht Alien: Covenant das leider auch sehr direkt. Zwar schließt er an die Handlung von Prometheus – Dunkle Zeichen an und klärt einige seiner Fragen, doch das warum wirkt behelfsmäßig und provisorisch. Wenig clever oder überzeugend, viel eher aus der Situation heraus geboren. Ich habe es wirklich selten, dass mir ein einzelner Film eine Reihe „kaputt machen“ kann. So war bei Prometheus die Enttäuschung zunächst groß, aber man arrangierte sich irgendwie damit, zumal noch reichlich Fragen ungelöst blieben. Aber Covenant klatscht diese Antworten förmlich auf den Tisch und kommt mit einem Twist um die Ecke, dessen Einfluss sich nicht gerade klein auf die restlichen Filme auswirkt. Es ist nicht zu bemängeln dass er sich auf die anderen Filme in seiner Wirkung erstreckt. Mich stört eher das wie, mit dieser absurden Idee, sich aus der Masse als Gott erheben zu wollen und dass alles nur von einem Punkt, einer Person ausging. Dass dieses ganze Mysterium nach jetzigem Wissensstand nicht mehr so riesig erscheint, sondern so klein, und in gewisser Weise auch unbedeutend. Weniger für die Konsequenz, als für das Potenzial dieser Idee.

Auch die Schauwerte Covenants schwanken qualitativ extrem: Sind einige Außenaufnahmen wunderschön, so wirkt das Setdesign häufig lieblos und plastisch zusammengeschustert. Die Wertigkeit sinkt, alles wirkt wie Spielzeug. Höhepunkt schlechter Effekte ist dann der Lagerraum der Covenant, wo die Qualität der Effekte optisch schon sehr schmerzt. Ein häufiges Problem moderner Sci-Fi-Filme, wie ich finde, sorgt dieser Übergang zu anderen Materialien neben Metall für weniger Profil – oder gar Charakter des Sets. Dies macht sich auch im letzten Showdown des Films bemerkbar: Alles sieht gleich aus, die Flure haben förmlich keine Kante. Natürlich sind sie nur Mittel zum Zweck, aber wenn sie – wie auch schon in den Ursprungsfilmen – zentraler Handlungsort sind, dann sollte doch etwas mehr an Arbeit hineingesteckt werden, um diese atmosphärischer zu gestalten. Denn nichts ödet mehr an, als mehrere Minuten das fast gleiche Bild vor Augen zu haben, in dem sich höchstens der Blickwinkel oder die Beleuchtung verändert. Anders als in Alien wirken die Räumlichkeiten wie Notwendigkeiten und weniger als Charaktere mit ihren eigenen Ecken und Kanten, welche der Szenerie erst ihre Stimmung verleihen und den Nervenkitzel durch ihre Beschaffenheit unterstützten.

Darstellerisch ist der Film durchschnittlich. Wie bereits geschildert, verhalten sich nahezu alle relevanten Charaktere zu häufig zu unklug und lassen an ihren Fähigkeiten zweifeln. Namen bleiben tatsächlich so gut wie keine hängen, was mehr als genug über die Crew aussagt. Auch Katherine Waterston als Daniels wirkt zwar zum Ende hin wie Sigourney Weavers Ripley in light, bleibt dennoch den größten Teil der Handlung über austauschbar. Einzig Michael Fassbender spielt wie gewohnt brillant, wenngleich ihm die Entwicklung der Geschichte keinen Gefallen tut. Dennoch macht er mit seinem – hart an der Grenze zum method acting liegenden – Schauspiel das beste aus seiner Rolle des Androiden Walter und beeindruckt mit präziser Gestikulation.

Alien: Covenant ist der Inbegriff einer Cashcow. Das Franchise wird gemolken und gemolken, die erzählte Geschichte aus Prometheus wieder nur bewusst angerissen, um sich Raum für mindestens einen weiteren Film zu schaffen. Darunter leidet die Handlung im großen Stil, denn auch wenn manche Fragen gelöst werden und die Brücke zwischen alten und neuen Alien-Filmen immer ersichtlicher wird, so nervt dieses bewusste Vorbeierzählen am Kern das Gesamtbild. Denn mehr als austauschbare Hochglanz-Science-Fiction bleibt bei Covenant nicht über. Und dass sich das Schema Mensch gegen Alien irgendwann auch erschöpft, wird einem in diesem Showdown mehr als nur schmerzlich bewusst.

3/10 Punkte

Alien--Covenant-(2017-US)-PosterAlien: Covenant
Jahr: 2017 US
Laufzeit: 121 Minuten
Regie: Ridley Scott | Drehbuch: John Logan, Dante Harper
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Jed Kurzel
Cast:
Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Demián Bichir, Carmen Ejogo, Jussie Smollett, Callie Hernandez, Amy Seimetz, Nathaniel Dean, Alexander England, Benjamin Rigby, Uli Latukefu, Tess Haubrich, Goran D. Kleut

Bilder [© Mark Rogers – © TM &2016 Twentieth Century Fox Film Corporation.]

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8 Kommentare zu „[Film] Alien: Covenant (2017 US)“

  1. Drastische Worte für diesen Film. Und ich kann es teils sogar verstehen. Ich habe ihn deutlich besser bewertet, da ich die Stimmung und auch die Schöpfungsgeschichte durchaus gelungen fand. Dass sich das Mysterium auf eine einzige „Person“ zurückführen lässt und die Geheimnisse aus „Prometheus“ einfach so zunichte gemacht werden, ist tatsächlich ein großes Problem. Da werde ich noch einmal auf den Film zurückkommen müssen, je nachdem sich die Handlung in den weiteren Teile entwickeln wird.

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    1. Ich war auch überrascht, bin aber bei zunehmender Laufzeit immer weiter ernüchtert. An diesem Plottwist habe ich mich dann leider aufgehangen, da ich den wirklich daneben fand. Es war so… plötzlich hergeholt? Also gerade die „gottgleiche“ Szene, wenn du weißt welche ich meine. Nach dem Ende stelle es mir aber auch chronologisch schwierig vor, darauf wieder zurückzukommen. Meiner Meinung nach ist das abgeschlossen. Oder meinst du von der Rasse bekommen wir nochmal was zu sehen?

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      1. Das ist für mich tatsächlich die zentrale Frage. Ist der Space-Jockey in „Alien“ am Ende nur David, der die Eier auf die Erde bringen will? Das wäre für mich der schlechteste Weg. Oder aber bekommen wir noch Engineers zu sehen und sie spielen weiterhin eine Rolle, dann würde ich auch „Alien: Covenant“ positiver sehen. Bin gespannt was kommt, zumal ich die Ansätze aus „Prometheus“ wirklich großartig fand.

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        1. Dann würde ich einen Besen fressen. Was ich spannend finden würde, wäre wohl ein Dreieck aus David, Space-Jockey und einem neuen Crewmitglied, was sich dann wieder ganz klassisch an die alten Filme anlehnt und vorrangig im Raumschiff spielt. Wenn sich der Space-Jockey von seinem Schöpfer abwendet, dann würde sich der Kreis auch wieder schließen… aber ich schätze das bekommen wir nicht zu sehen…
          Im Vergleich fand ich „Prometheus“ auch galanter, der hat sich wenigstens seinen eigenen Weg gebahnt.

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          1. Wer ist in diesem Szenario der Space-Jockey? Eigentlich müsste es ja einer der Ingenieure sein. Also einer der ursprünglichen Schöpfer. Ach, ich weiß auch nicht. Habe das Gefühl, dass der nächste Teil entweder alles komplett einreißt oder eine runde Sache daraus macht.

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            1. Ja, eigentlich. Aber wie will man das jetzt noch lösen? Außer Flashbacks? Passt doch hinten und vorne nicht mehr. Außer einer der Ingenieure war so nifty, sich vor David zu verstecken. Aber das wäre auch wieder so… platt.
              Ja, so wird es wohl werden. Ein Hit or Miss, mit viel Luft dazwischen…

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  2. Ich mochte ja bei „Covenant“ vor allem den Rahmen, also die Anfangs- und Endszene, was aber auch daran liegt, dass „Einzug der Götter in Walhall“ ein Stück ist, das ich sehr schätze – ich fand es recht clever und passend eingearbeitet. Alles dazwischen ist dann halt leider problematisch. Ich denke, das Hauptproblem von „Covenant“ (und auch von „Prometheus“) ist der explizite philosophisch-mythische Überbau, der in vielen Fällen gegen die eigentliche Handlung arbeitet. In der Theorie bzw. auf dem Papier klingt das ja alles nicht schlecht; Scott und seine Drehbuchautoren haben sich da schon ein paar ganz nette Gedanken gemacht, aber es greift dann alles nicht so recht ineinander, sodass die Antworten, die auf die Fragen (egal ob es Fragen des Franchise oder allgemeine, philosophische Fragen sind) gegeben werden, letztendlich ziemlich banal daherkommen. Vielleicht wäre „Prometheus“ als ein vom Alien-Franchise völlig losgelöster Film besser gewesen oder zumindest besser angekommen. Oder man hätte einfach gleich „At the Mountains of Madness“ verfilmt 😉 Interessanterweise finde ich die Fortsetzungsprämisse des Endes sogar recht vielversprechend, da könnte man (und wenn ich „man“ sage, meine ich ziemlich explizit „nicht Ridley Scott“) was Interessantes draus machen.

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