Avengers: Infinity War (2018 US)

Was erwartet ein gesunder Menschenverstand, wenn ein Film-Universum seit geschlagenen 18 Filmen (+/-) auf diesen „Clash“ hinarbeitet? Der erste Teil eines fulminanten Finales, in dem das gesamte Universum auf dem Spiel steht und die Avengers ihren bis dato gefährlichsten Gegner – Thanos mit seinem Infinity-Gauntlet – in die Knie zwingen müssen?

Richtig: Nichts. Das mag jetzt vernichtend klingen, aber lasst mich erstmal zu Wort kommen. Völlig und absolut spoilerfrei!

Mit Avengers: Infinity War sind es nun 19 Filme, die in ihrer Qualität sämtliche Höhen und Tiefen durchschritten. Ob nahtlos ineinander übergehend oder völlig für sich alleinstehen könnend, ob völlig an ihren Versprechen vorbeizischend oder diese trotz aller Schwierigkeiten einhaltend, es war nun wirklich schon alles dabei. Und doch haben sich in dieser Zeit nicht wenige Abnutzungserscheinungen abgezeichnet. So funktionierte der erste Avengers tadellos, weil er weder zu überfrachtet an Figuren erscheint, noch dem Zwang unterlag, viel erklären zu müssen. Die Story zerfaserte sich nicht – eine Eigenschaft die bei Age of Ultron später zum Vorschein kam und in Infinity War unausweichlich ist. Einerseits ist es beeindruckend, wie gut die Russo-Brüder die Anzahl an Superhelden unterbekommen. Der völlige Overkill, den ich am meisten fürchtete, blieb aus. Auch wenn sich die Geschichte mächtig in ihre Kleinteile gliedert, so bin ich (vergleichsweise) positiv überrascht, dass sich die Erzählstränge in nur vier Positionen aufteilen. Zwar ist das noch immer viel zu viel, um konsequent einen kohärenten und flüssigen Handlungsbogen zu kreieren, aber gut. Das war eben zu erwarten. Jede Figur hat ihren einen Moment (abgesehen von Thor, der nun wirklich jede Szene rockt), und auch Thanos wird nicht einfach als Antagonist ohne Motivik abgewatscht. Zwar ist das erzählerisch auch nicht perfekt, denn hier sind zahlreiche Ereignisse absehbar, dennoch schaffen die Russos hier viele Räume, die Dramatik zulassen, welche für diesen ersten Teil zwingend notwendig sind. Von der daraus resultierenden Härte war ich sogar etwas überrascht, und ich bin nach wie vor am rätseln, wo uns Infinity War bereits auf eine falsche Fährte gelockt hat, oder ob das Ableben so manch eines Superhelden bereits fix ist.

Eine weitere Befürchtung, die sich (noch) nicht eingestellt hat, ist der Umgang mit dem Time Stone. Dass er möglicherweise einfach dafür genutzt wird, in Schlüsselsituationen die Zeit zurückzudrehen und so den Kampf gegen Thanos recht einseitig zu gestalten, geschieht nicht. Dafür legt Infinity War ein ziemliches Tempo vor, um genau das zu vermeiden: Die Avengers haben so gut wie gar keine Zeit, um Gebrauch von dem Infinity-Stein zu machen. Mir fällt jetzt auch kein Film ein, der in der Hinsicht so schnell zum Punkt kommt – wenn auch noch nicht in Form von Thanos sondern seinen Handlangern. Der Tone, die Stimmung ist schon sehr stark auf die Dramatik ausgelegt und hat mich in der Hinsicht auch unvermittelt getroffen. So musste in der Einstiegssequenz erst einmal begriffen werden, was dort überhaupt gerade passiert ist.

Ja, ich mochte Infinity War, zumindest mehr als den lauwarmen Age of Ultron, welcher rückblickend für mich einer der schwächsten MCU-Filme bis dato ist. Hier bemüht man sich wieder, eine kohärente Geschichte mit viel Hintergrund zu erzählen. Leider hat Infinity War als erster Teil eines Zweiteilers das Problem, viel erklären zu müssen und die Fäden vorangegangener Filme zusammenzubinden und die Position eines jeden Helden – ob neu oder alt – festlegen zu müssen. So ist die oben angesprochene Zersplitterung zwangsläufig abzusehen. Und obwohl der Film sich sichtlich bemüht, diese erzählerischen Fasern möglichst klein zu halten, muss er trotzdem nochmal jede Motivik aufbereiten, um so die Weichen für den zweiten Teil zu stellen. Welcher dann hoffentlich richtig durchstarten kann und sich nicht wie hier in circa 5-10 minütigen Handlungssequenzen pro Heldengespann abnutzt und die Handlung nur peu à peu voranbringt. Mit Soloeinlagen ist der geneigte Zuschauer ja nun wirklich zur Genüge ausgestattet, weshalb man dem Aufeinandertreffen, sowie der Interaktion untereinander eben mehr entgegenfiebert.

Was ich Infinity War jedoch lassen muss, ist, dass Thor der Film sehr schön anzusehen ist. Die Welten sind abwechslungsreich und optisch eine Wucht (nachdem ich bei Doctor Strange zuletzt noch etwas meckern musste). Der Soundtrack ist in Ordnung und inzwischen sollte auch der letzte Fan/Zuschauer eine Handvoll der musikalischen Themen den jeweiligen Figuren zuordnen können – was spätestens beim Auftritt vom klassischen Avengerstheme der Fall bei mir war (sonst kriege ich die Themes ja nur sehr selten zusammen… *pfeif*).

Avengers: Infinity War ist das notwendige Übel Aufbausteinchen, um die Fronten zu klären und alle Helden in Position zu bringen. Mit mehr Dramatik als erwartet und einer schönen Optik ausgestattet, ist er ein kurzweiliges Action- und Effektspektakel, welches natürlich erst einmal alles schön ausbreiten muss, ehe er dann mit dem vierten Avengers hoffentlich wirklich voll durchstartet und die jetzige Phase des MCU – so wie wir es bisher kennen – gebührend abschließen wird.

6,5/10 Punkte

Avengers-Infinity-War-(2018-US)---PosterAvengers: Infinity War
Jahr: 2018 US | Laufzeit: 149 Minuten
Regie: Anthony Russo, Joe Russo|Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely, Stan Lee, Jack Kirby, et al.
Kamera: Trent Opaloch
Musik: Alan Silvestri
Cast:
Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans, Scarlett Johansson, Don Cheadle, Benedict Cumberbatch, Tom Holland, Chadwick Boseman, Zoe Saldana, Karen Gillan, Tom Hiddleston, Paul Bettany, Elizabeth Olsen, Anthony Mackie, Sebastian Stan, Idris Elba, Danai Gurira, Peter Dinklage, Benedict Wong, Pom Klementieff, Dave Bautista, Vin Diesel, Bradley Cooper, Gwyneth Paltrow, Benicio Del Toro, Josh Brolin, Chris Pratt, William Hurt, Winston Duke

Bilder [© null/Marvel Studios/Walt Disney Studios Motion Pictures]

3 Kommentare zu „Avengers: Infinity War (2018 US)“

  1. Ich habe ein sehr ambivalentes Gefühl zu INFINITY WAR. Auf der einen Seite fühlte ich mich gut unterhalten, auf der anderen Seite fühlte ich mich auch etwas verarscht. Insbesondere deshalb, weil hier Charaktere sterben, von denen schon Sequels angekündigt sind. Soll heißen, irgendwer wird sie wieder auferstehen lassen, was die komplette Handlung in INFINITY WAR rückwirkend wieder aushebeln wird und mich zu der Frage führt: Warum soll ich mir dann INFINITY WAR anschauen, wenn es später eh alles wieder „korrigiert“ wird?

    Hier das ambivalente Gefühl in Worten: https://adoringaudience.de/avengers-infinity-war-3d-2018/

    Liken

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