The Blood of Wolves (2018 JP)

Allmählich bekomme ich doch immer mehr Highlights zu sehen. Und Kazuya Shiraishis Rausschmeißerfilm am Donnerstag ist ein exzellentes Beispiel dafür. Denn The Blood of Wolves ist verdammt solide Genrekost, die vielleicht nicht ganz als Yakuzafilm, dafür aber locker als Polizei- und Gangsterthrillerverschnitt im Hiroshima der 80er Jahre durchgeht.

Der führende Polizeiinspektor Ogami (Koji Yakusho) steht im Verdacht, Bande mit Yakuza geknüpft zu haben. Dennoch wird er gemeinsam mit dem frischen Polizisten Hioka (Tori Matzusaka) auf einen Vermisstenfall angesetzt. Während sie nach dem Opfer suchen, spitzt sich ein Bandenkonflikt der Yakuza immer weiter zu und die Polizei muss alles daran setzen, einen blutigen Krieg zu verhindern…

Die Erwartungen waren nicht gerade gering, weshalb es umso schöner mit anzusehen ist, wie alle Beteiligten sichtlich Bock auf diesen Film hatten.

Angeleitet von Koji Yakusho als korrupten Polizisten, der stets den Drahtseilakt zwischen Yakuza- und Polizeiarbeit begeht, über Tori Matzusaka als Frischling unter den Fittichen des alteingesessenen Cops. Hier geht jede noch so kleine Nebenrolle auf, und auch die Frauen dienen nicht als kleine Mauerblümchen, sondern haben weit mehr Schlagkraft in sich, als es den Anschein haben mag. Glücklicherweise wird dabei auf unnötige Gefühlsduselei verzichtet und Taten folgen schnell den Worten.

Sehr beeindruckend ist die ästhetische Sicherheit, die Regisseur Kazuya Shiraishi hier einbringt. Gerade wenn ich mir in Erinnerung rufe, dass ich am Vortag den stilistisch gänzlich anderen Birds Without Names von ihm gesehen habe (auch hier spielt Tori Matzusaka mit)… Er fängt diese schwitzige und schmierige Drecksarbeit der Polizei und Yakuza in satten Bildern ein, gönnt den durchaus expliziten Gewaltszenen Freiraum zur Entfaltung und behält lange Zeit ein gutes Erzähltempo bereit, das nicht nur die Handlung voranbringt, sondern ebenso auch die zentralen Polizeifiguren Ogami und Hioka. Auch wenn ich durchaus gerne im etwas gedehnten Mittelteil noch ein, zwei mit Action gespickte Szenen gesehen hätte, um den Durchhänger übertünchen zu können… Dafür knallt es aber so richtig, wenn es zur Sache geht und das macht schlichtweg Spaß mit anzusehen. Und Yakusho bietet dafür genau die richtige Art der Präsenz als geschmierter Cop, der zwischen den Fronten beider Yakuza-Clans steht. Er ist nunmal eine schauspielerische Wucht, die noch knüppelharter daherkommt, wenn er auf kleine Gangsterratten einschlagen kann (oder auch selber mal unerwartet einen guten Schwinger abbekommt…). Dennoch sollte unter dem Glanz Yakushos Tori Matzusaka als Rookie nicht vergessen werden. Denn aus seiner Perspektive beobachten wir das Geschehen und stehen auch immer zwischen den (moralischen) Fronten. Gerade zu Beginn geht er als Musterabsolvent seiner Universität so gar nicht D’accord mit den schmieriegen Geschäften und Methoden seines Vorgesetzten. Doch muss auch ein einwandfreier Cop wie er irgendwann erkennen, dass gewöhnliche Methoden im Rahmen des Gesetzes gewissen Grenzen nicht überwinden können. Dabei bietet sein Charakter nicht nur den Gegenpol zu Yakushos badass-Attitüde. Er sorgt mit seiner verzweifelten Art auch für Identifikationspotenzial beim Zuschauer, um nach besten Kräften zu verhindern, dass wir gemeinsam mit ihm in die zwielichtige Welt der Yakuza abdriften. Dabei muss auch er einen Drahtseilakt vollführen, der einige spannende Charaktereigenschaften zu Tage fördert.

Selten gibt es Filme, bei denen der Name so stark den eigenen Ton wiederspiegelt. The Blood of Wolves ist knochenharte, und stilistisch wunderbar umgesetzte Yakuza-Genrekost, die zwar altbekannte Muster bedient, aber durchaus so viel eigenes Blut einfließen lässt, dass ein runder Schuh daraus wird. Und den Regisseur, Kazuya Shiraishi, werde ich definitiv im Auge behalten müssen. Der hat so einige Stilrichtungen auf dem Kasten, wie es scheint.

Den passenden Podcast von Schöner Denken gibt es übrigens hier.

8/10 Punkte

The-Blood-of-Wolves-(2018-JP)-Poster

The Blood of Wolves [Korô no chi; 孤狼の血]
Jahr: 2018 JP
Regie Kazuya Shiraishi | Drehbuch: Junya Ikegami (liter. Vorlage: Yuko Yuzuki)
Kamera: Takahiro Haibara
Cast:
Koji Yakusho, Tori Matsuzaka, Yoko Maki, Kenichi Takito, Takuma Otoo, Taro Suruga, Tomoya Nakamura, Shido Nakamura, Kenichi Yajima, Tomorowo Taguchi, Pierre Taki, Renji Ishibashi, Yosuke Eguchi, Yutaka Takenouchi, Junko Abe, Kyusaku Shimada, Goro Ibuki, Shun Nakayama, Hajime Tsukumo, Joey Iwanaga, Megumi, Hajime Inoue, Eiji Takigawa, Ryuji Sainei, Issei Okihara, Takahiro Kuroishi, Marie Machida, Katsuya, Takamitsu Nonaka, Taketo Tanaka, Takaki Uda


Bilder [© Toei International Sales]

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