Archiv der Kategorie: Produktionsland

Complicity (2018 JP/VRC)

Es war mein letztes Screening auf der Nippon Connection und ich hätte es kaum besser treffen können. Denn mit Complicity zeigt Regisseur Kei Chikaura ein feinfühliges Drama, in dem ein Chinese versucht, seinen Platz in der japanischen Gesellschaft zu finden.

Der Chinese Chien Lang (Lu Yulai) sucht als illegaler Einwanderer in Japan den Neuanfang, um die in China zurückgebliebene Familie finanziell zu unterstützen. Weil der Vater verstorben ist und die Mutter krank, liegt die Verantwortung nun bei Lang. Zunächst versucht er sich mit billigen Jobs, wie etwa Elektronikdiebstählen, über Wasser zu halten – natürlich bleiben diese Gelegenheitsjobs nicht ohne Risiko, von den Behörden entdeckt zu werden. Doch plötzlich erhält er einen Anruf unter seiner falschen Identität:
Dem ursprünglichen Inhaber dieser Personalien wird ein Jobangebot in einem Soba-Restaurant unterbreitet. Lang nutzt diese Möglichkeit, und heuert dort völlig blind an – in der vagen Hoffnung, in der japanischen Gesellschaft Fuß zu fassen.

Viele Filme drehten sich in dieser Festivalausgabe rund um das Motto „Outlaws und Außenseiter“, doch nur wenige vermochten auch tatsächlich dieses Außenseiter-Dasein zu vermitteln. Complicity nimmt sich sehr viel Zeit, um genau das zu tun.

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Fly Me To The Saitama (2019 JP)

Ihr kennt das bestimmt: Ihr schaut einen Trailer und findet diesen so bescheuert – ganz im Sinne von durchgeknallt – sodass man sich zweimal überlegt, ob man sich das wirklich antun soll? So ging es mir mit dieser Realverfilmung des einbändigen Manga aus den 1980er Jahren: Fly Me To The Saitama (jap. Tonde Saitama), ursprünglich aus der Feder des Mangaka Mineo Maya (u.a. bekannt für Patalliro!).

Der Film arbeitet mit zwei Narrationssträngen: Als übergreifende Rahmenhandlung dient eine Familie, die gerade auf dem Weg von Saitama nach Chiba ist, um die Tochter zu ihrer Verlobungsfeier zu chauffieren. Diese erhofft sich, mit der Heirat aus der öden Präfektur Saitamas und hinein in die aufregende Metropole Tokyos ziehen – oder vielmehr fliehen – zu können. Während sie also mit dem Auto zu besagter Feier aufbrechen, lauschen sie im Radio der Geschichte einer urbanen Legende, die sogleich die Haupthandlung bildet: Fly Me To The Saitama (2019 JP) weiterlesen

And Your Bird Can Sing (2018 JP)

Es dauert immer ein bisschen, bis sich die ersten guten Filme im Festivalprogramm durchschlagen. Nach dem sehr enttäuschenden und vor allem inkonsequenten und viel zu starren Geschwisterdrama Thicker Than Water kurz zuvor im Programm, folgte am Dienstag eine erste Perle des Festivals. Denn Regisseur Sho Miyake zeigt mit seiner Romanadaption des gleichnamigen Buchs And Your Bird Can Sing ein wunderbar unaufgeregtes Charakterdrama, dass sich im gemütlichen Hakodate abspielt. And Your Bird Can Sing (2018 JP) weiterlesen

jam (2018 JP)

SABU is back! Nach Happiness und dem überragenden Mr. Long letztes Jahr auf der Nippon Connection, ist er auch in diesem Jahr wieder auf dem Festival vertreten. Leider bei weitem nicht so bravourös, wie zuvor. jam (2018 JP) weiterlesen

Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte (2018 JP)

Eine Jahrzehnte überspannende Geschichte über Leben, Tod und das starke Band der Mutterschaft.

Maquia ist eine Iorph, ein Legendenwesen, dessen Lebensspanne mehrere Jahrhunderte überdauert. Sie leben abseits der Menschen und weben Hibiol-Tücher, die als Chronik der vergehenden Zeit dienen. Nach einem Angriff durch machtgierige Menschen wird das Volk der Iorph zerstreut und Maquia findet auf der Flucht ein Findelkind. Ohne zu zögern nimmt sie sich dem Kleinen an und zieht es groß. Entwickelt sich ein unerschütterliches Band zwischen Mutter und Sohn? Maquia – Eine unsterbliche Liebesgeschichte (2018 JP) weiterlesen

Our Homeland (2012 JP)

Nichts wird einen auf dieses Drama vorbereiten können. Keine Geschichten über Zainichi (koreanische Minderheiten in Japan), und genauso wenig die Geschichten von Nordkoreanern, die aus ihrem Land flüchten und von den Gräueln des Regimes oder ihrem Alltag erzählen. In Our Homeland von Yang Yong-hi werden die kleinen Dinge so ausdrucksstark präsentiert, dass es vergleichbar mit einem Schlag in die Magengrube wird. Denn wenn ein Reisekoffer im Schaufenster zum Symbol der Freiheit wird, wird sowohl dem Protagonisten, als auch dem Zuschauer erst einmal bewusst, dass manch einer niemals in den Genuss einer solchen Freiheit gelangen wird. Our Homeland (2012 JP) weiterlesen

[Project-K 2018] Filmfestival-Resümee

Mich hatte es das Wochenende vom 26. – 28. Oktober nach Frankfurt am Main verschlagen, um der 7. Ausgabe des Project-K beizuwohnen – einem sehr kleinen Filmfestival, das sich ganz der südkoreanischen Kultur und dem Kino widmet. Nachfolgend werde ich kurze Eindrücke zu den gesehenen Filmen listen und abschließend etwas über das Festival selbst berichten.

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[Genre Spezial] J-Horror: Der Geist in der japanischen Filmkultur

Halloween naht und da ich mit Ausnahme eines Podcast-Gastspiels bei Bildnachwirkung bisher nur über den Anime Wicked City gesprochen habe, dachte ich, der Zeitpunkt sei ideal, um eine ältere Hausarbeit meinerseits zu veröffentlichen. Das letzte Genre Spezial zu Found Footage kam damals gut an und im Rahmen des selben Horrorseminars habe ich mich mit dem japanischen Horrorfilm – genauer gesagt der Erscheinung des Yūrei im J-Horror – auseinandergesetzt. Aufgrund des etwas ausführlicheren Charakters gibt es jedoch etwas mehr zu erfahren: Von den ersten Darstellungen von Yūrei innerhalb der japanischen Kultur, hin zu klassischen Stilmitteln im J-Horror. Anschließend folgt noch ein direkter filmischer Vergleich zweier Filme (The Inerasable und The Ring – Achtung, Spoilergefahr!), die stark auf die vorhandenen Parallelen innerhalb des Genres abzielen. Aber lest selbst, wenn ihr euch für das Thema interessiert.

Anm: Ich habe einige – für die Veröffentlichung unnötigen – Fußnoten entfernt. Außerdem sollte bekannt sein, dass es noch weitere passende Filmtitel gibt, welche im Rahmen dieser Arbeit jedoch aus Platzgründen keine Erwähnung finden konnten.


Yūrei in der japanischen Filmkultur:

Der Einfluss von RINGU auf den modernen J-Horrorfilm – Ein Vergleich zwischen RINGU und THE INERASABLE

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