[Film] Bone Tomahawk (2015 US)

Zwischen Western und Horror angesiedelt, schleppen sich Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox und Richard Jenkins durch die Prärie nahe der mexikanischen Grenze, um auf Rettungsmission gegen gefräßige Kannibalen zu gehen.

Regisseur S. Craig Zahler verzichtet in seinem Wildwest-Mix auf Effekthascherei und lässt es erstaunlich ruhig angehen. Dabei verkommen die gut zwei Stunden nicht zu einer müden Altherrenveranstaltung, sondern werden mit Präzision an exakt den richtigen Stellen mit Spannung gefüttert, um den Ball weiterrollen zu lassen. So sieht man die Truppe zwar noch immer größtenteils umherreiten, dennoch zieht die Intensität der einzelnen Begegnungen unterwegs mächtig an und lässt selbst eine Felsspalte als beinahe unüberwindbares Hindernis erscheinen, weil man in das typische Stereotypengedenke verfällt, das dahinter etwas lauern muss. Umso erfrischender ist es, dass sich Zahler, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeigt, stets gegen diese Klischees wendet und tatsächlich weiß, wie ein Film auch ohne diese Elemente auskommen kann. Genau hier liegen die großen Stärken von Bone Tomahawk und heben ihn das Stück über den müden Durchschnitt des B-Movie-Marktausschusses.

Zwar werden sich schauspielerisch keine Beine ausgerissen, aber auch das passt vollends ins Konzept. Während sich Kurt Russell als entspannter aber durchaus bestimmter Sheriff verdingt, mimt Richard Jenkins als alter Hase den pflichtbewussten Deputy. Patrick Wilsons Arthur O’Dwyer, durch einen schlimmen Schienbeinbruch ans Bett gefesselt, versucht irgendwie seine Frau aus den Fängen eines Kannibalenkults zu befreien und schleppt sich mit auf den anstrengenden Trip ins Tal der hungrigen Männer. Und wer sich fragte was Matthew Fox in den letzten Jahren so trieb, der… Ich weiß es auch nicht. Als ungehobelter und arroganter Typ, der jedoch sein Handwerk zu verstehen weiß, führt er die Männergruppe an und gibt den sachkundigen Anführer des Unternehmens.
Auch wenn die Dialoge zwischen ihnen etwas träge wirken mögen, so verleihen diese dem ganzen doch etwas alltägliches, ja fast schon realistisches und betonen die Bodenständigkeit dieses defragmentierenden Westernmythos rund um amerikanische Ureinwohner. Manchmal kommt man nicht umhin sich zu fragen, wo die Grenze zu zivilisierten Maßstäben gezogen werden kann und inwiefern sich die vier Männer nun anders gegenüber etwaigen Außenstehenden verhalten. Es sind gelungene Einschübe, die von jedem einzelnen aufgegriffen und auf unterschiedliche Weise verkörpert werden. Mal mit Nachdruck, mal etwas dezenter, aber immer zur richtigen Zeit und am richtigen Ort.
Erst im letzten Drittel wird die Gratwanderung zum angestrebten Horror auch sichtbar, die Action wird rauer und durchdringend. Zartbesaitete dürften sich bei einer bestimmten Szene kurz vom Fernseher wegdrehen, ansonsten wird jedoch auf zu explizite Momente weitestgehend verzichtet. Denn hier zuckt man schon zusammen, wenn der gehandicappte Arthur einmal falsch auftritt und das Knacken und Krachen seiner Knochen bis ins Mark durchdringt.

Bone-Tomahawk---Cast-(via-collider
Denkt gar nicht an eine Rast mit seinem kaputten Bein: Arthur (Patrick Wilson)

Es sind die kleinen Momente, die Bone Tomahawk seine Klasse verleihen. S. Craig Zahler verzichtet auf großes Getöse und präsentiert in diesem anständig besetzten Westernhorror eine erfrischende Bodenständigkeit, die in diesem Genremix nur selten zu finden ist. Das macht diesen ruhigen „Reißer“ indes ziemlich cool.

7,5/10 Punkte

Bone-Tomahawk---Poster-(via-colliderBone Tomahawk
Jahr: 2015 US
Laufzeit: 132 Minuten
Regie & Drehbuch: S. Craig Zahler
Kamera: Benji Bakshi
Musik: Jeff Herriott, S. Craig Zahler
Cast:
Kurt Russell, Patrick Wilson, Matthew Fox, Richard Jenkins, Lili Simmons, Evan Jonigkeit, David Arquette, Fred Melamed, Sid Haig, Maestro Harrell, James Tolkan, Kathryn Morris

Bilder via collider.com [© RLJ Entertainment]

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9 Kommentare zu “[Film] Bone Tomahawk (2015 US)”

  1. Hab schon einiges von dem in letzter Zeit gehört, doch Western und Horror in Kombination hat mich nicht so ganz angesprochen. Doch da du ja dem Film eine gewisse Ruhe zusprichst, könnte der vielleicht doch was für mich sein. Geld ausgeben werde ichfür den wohl trotzdem nicht 😀

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  2. Das Ende war wirklich extrem hart, oder??? Hab den Film bei mir ja letztens auch schon besprochen, mochte den auch sehr, weswegen ich dir bei allen angesprochenen Sachen zustimmen kann.

    Ich fand’s nur noch ein bisschen schöner, endlich mal wiede Matthew Fox in irgendwas zu sehen.

    Gefällt 1 Person

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