Review: X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (2014 US)

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Als bekennender Nicht-X-Men-Fan mit Ausnahme von Erste Entscheidung und des letzten Wolverine Soloabenteuers muss ich gestehen: Verdammt, der war gut! Denn Days of Future Past nimmt genau das zur Hand was meiner Ansicht nach noch in First Class gefehlt hat: Die interessanten und vor allem sympathischen Mutanten.

Ohne Umschweife werden wir mittels kurzer Einführungsphase in die dystopische Welt des Jahres 2023 geworfen; eine dunkle Welt, in der Mutanten in Internierungs-lagern gefangen gehalten werden. Doch nach der Ruhe folgt der Sturm und es wird mit einer der epochalsten Kampfszenen überhaupt zur Tat geschritten, während das Soundsystem des Kinos die Sitze zum vibrieren bringt und es einem Gänsehaut mit integriertem Dauergrinsen beschert. Regierückkehrer Bryan Singer hat schon jetzt eine ganze Menge richtig gemacht.

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Aus Freund wird Feind, aus Feind wird Freund, aus…

Für den neuesten Streich des X-Men-Franchises bedient sich Singer großzügig am Vorgänger, nimmt sich vor allem die gelungenen Elemente heraus und kombiniert diese mit der Machart der vorhergegangenen Filme. So verwebt er die Figuren der Zukunft und Vergangenheit auf geradlinig intelligente Weise und lässt Wolverine auf die beiden jüngeren Versionen von Magneto und Professor X los, in der Hoffnung die Geschichte zu ändern. Die Chemie stimmt, der Humor sitzt und charakter-bildende, tragische Elemente kommen ebenfalls nicht zu kurz. Mystique als Schlüsselfigur eingesetzt weiß ebenfalls zu gefallen, da sie für den nötigen Pepp sorgt, genauso wie die immerwährende Diskrepanz zwischen Erik und Charles, gerade auch in Bezug auf Mystique/Raven. Auch wenn Raven immer schon eine der treibenden Kräfte war, hier schöpfen die Macher aus den Vollen und füllen sie bis zum Rand mit Leben, Wut und Hass. Jennifer Lawrence spielt die Rolle auch hier wieder gut, allerdings gefiel mir Rebecca Romijn in der Rolle noch ein Stück besser.

XMen-4Doch Highlight des Films ist zweifelsohne Evan Peters als Quicksilver, der in einer Szene allen die Show stiehlt. So genial in Szene gesetzt sieht man seine Fähigkeit sonst nie. Und der 3D-Effekt hat sich wenigstens für dieses Stück gelohnt, auch wenn es lediglich der Tiefenschärfe dienlich war. Der Kinosaal stand bei der Szene kurz vor dem Applaus. Klasse.

Umso schmerzlicher ist jedoch die Tatsache, dass die stärksten Szenen bereits in der ersten Hälfte stattfinden. Bei all der Sympathie für die Mutanten und Wolverines Frotzeleien zwischendrin, traut sich Regisseur Bryan Singer nicht, alteingetretene Pfade zu verlassen. So bemüht sich auch dieser Teil wiedermal zu sehr um die On-/Off-Freundschaft zwischen Professor X und Magneto, was von Teil zu Teil der Filmreihe ermüdender wird. Die Handlung zieht sich unnötig, verliert sich in nichtigen Nebenpfaden der Charakterausarbeitung und wiederholt sich, wenn die Motive der Figuren dem Zuschauer immer wieder eingehämmert werden. X-Men-Days-of-Future-Past-Bolivar-TraskGerade nach dem fulminanten Start vermisst man im stark charakterbezogenen Mittelteil die Action, welche es dann nur noch in mal mehr, mal weniger großen Häppchen gibt. Auch Gegenspieler Bolivar Trask und seine Sentinels kommen hier zu kurz, ersterem fehlt es trotz Durchtriebenheit an inszenatorischem Pfeffer unterm Hintern und von den bedrohlichen Sentinels hätte man am liebsten noch viel viel mehr gesehen. Der anfängliche Gedanke den Film unbedingt nochmal sehen zu müssen verflüchtigt sich, je länger der Film andauert. Und doch gibt es vereinzelte Gänsehautmomente, die wirklich unter die Haut gehen. Diese trösten über die längeren Durststrecken im Mittelteil hinweg und auch der finale Kampf zieht nochmal alle (visuellen) Register, wenn sich die sympathischen X-Men rund um Storm, Kitty-Pryde, Iceman, Colossus & Co. behaupten müssen.

Und entgegen dem vorherrschenden Wissen des geneigten Kinogängers, eben das solche Blockbuster für gewöhnlich mit einem Happy End enden müssen, behält sich der Film dank dem packend düster inszenierten Einstieg die Ungewissheit und unterschwellige Spannung den gesamten Verlauf über bei und lässt den Zuschauer bis zum Finale bangen. Ob es den X-Men möglich ist, den Lauf der Geschichte zu verändern?

Trotz all der Kritik dürfte sich X-Men: Days of Future Past mit Leichtigkeit auf einen der vordersten Ränge des X-Men-Franchises katapultieren, wenn nicht sogar noch vor dem an sich genialen Herzstück der Reihe X-Men: First Class. Mit dem aktuellsten X-Men-Beitrag hat Bryan Singer eindeutig gezeigt, wie man eine Fortsetzung fesselnd gestalten kann und wie man vorangegangenes effektiv nutzt. Wenn dieses Niveau für die 2016 annahende Apocalypse beibehalten wird, dann sieht es gut aus.

7,5/10  Punkte

20664443X-Men: Zukunft ist Vergangenheit [X-Men: Days of Future Past]
Jahr: 2014 US
Regie: Bryan Singer | Drehbuch: Simon Kinberg
Cast:
Hugh Jackman
Patrick Stewart
Ian McKellen
James McAvoy
Michael Fassbender
Jennifer Lawrence
Peter Dinklage

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12 Kommentare zu “Review: X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (2014 US)”

    1. Kann ich nur zurückgeben, deiner ist ebenfalls spitze! Ich hätte es dem Film so gegönnt, wenn es die zweite Hälfte dem Anfang gleichgetan hätte und genauso stark weitergemacht hätte. Aber hätte, wäre, wenn…

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      1. Thanx! 🙂 Och, ich fand das Finale schon klasse. Den supertollen „Der Sentinel stolpert durch dieses Portal rein und da wieder raus“-Shot gleich zu Beginn und die Quicksilver-Szene sind aber auch schwer zu toppen.

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        1. Ja, das ist wahr. Bei den beiden Szenen ist mir wahrlich die Kinnlade runtergeklappt. Verdammt gut gemacht. 🙂
          Das Finale, joa. Das mit dem kompletten Stadion und Magneto war mir dann doch etwas zuviel des Guten. 😉 Von dieser Hassfreundschaft zw. ihm und Charles war ich dann auch etwas genervt, weil es wirklich immer das gleiche ist. Aber die Message wiederum war gut gemacht. Da kann man nicht meckern.

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  1. Fein formuliert. Ich mag irgendwie nicht akzeptieren, wie sie im Film in einem Satz einfach mal erwähnen, dass mein Banshee und Emma Frost tot sind. Das ist doch doof.

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    1. *hust* Musste gerade nach den beiden googlen. Das war aber wirklich etwas unrühmlich, nur viel mehr Platz ließ der Film dafür leider nicht zu. Waren die beiden nicht noch auf den Bildern? Weiß ich gar nicht mehr. Und danke.

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  2. Bitte bitte.^^ Jap, waren sie. Ahaha, ich bin auch nicht der Namensexperte. Hab nur gerade einen Generation X Comic in die Hände bekommen, wo Banshee Schulleiter ist und Emma Lehrer. Hast du schon gesehen, wie Quicksilver im zweiten Avengers ausshen wird?^^

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    1. Tzz, das nennt man gemeinhin Vorteil 😛
      Habe mich gerade nochmal durch die Setbilder geklickt. Hast du evt. ein Taschentuch für mich? Ich weine gleich bei dem Anblick. ^^ Sieht zwar irgendwie lächerlich und nach nichts aus, werde aber bevor ich noch großkotzig rummaule auf das Endergebnis warten… In X-Men sah er zwar auch arg merkwürdig aus, aber das wurde immerhin super in Szene gesetzt. Und die Coolnes stach den Look aus. Ganz klar ^^

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  3. Ich gebe die Hoffnung auch noch nicht auf, aber ich als absoluter Gegner von Muskeln finde Mr. Kick Ass da doch schon recht widerlich. Dann lieber der nette Herr mit dem Malcolm-McDowell-Grinsen und dem Pink-Floyd-Shirt. Achso, hier das virtuelle Taschentuch. Hex hex!

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