Review: Godzilla (2014 US/JP)

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Godzilla (2014)

Kaum ein Film generierte in den letzten Wochen und Monaten einen Hype, wie Gareth Edwards neuer Godzilla. Nach Roland Emmerichs gefloppten Versuch, den kultigen Kaiju 1998 zurück auf die Leinwand zu befördern, darf nun ein frischer Regisseur ran. Gareth Edwards (Monsters) wählt für das Reboot der kultigen Godzilla-Reihe ein düsteres Setting und setzt alles auf eine packende Endzeitstimmung. Doch ob das alles so gelungen und kultig ist, wie man es sich vor lauter Euphorie erhofft hat…?

Worum geht’s? 15 Jahre bevor die eigentliche Handlung beginnt, stoßen Minenarbeiter auf den Phillipinen auf ein altes Höhlensytem und wecken durch ihre Bohrungen ein altes Monster auf. Währenddessen kommt es in einem Kernkraftwerk in Tokyo zu heftigen seismischen Aktivitäten, wodurch Joe Brody (Bryan Cranston) seine Frau bei einem Reaktorunfall verliert. 15 Jahre später hat Joe den Verlust noch immer nicht überwunden und verliert sich immer mehr in Theorien, wie es zu einem solchen Zwischenfall kommen konnte. Er versucht seinen Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) davon zu überzeugen, dass da mehr dahinter stecken muss. Antworten erhofft er sich dabei von Dr. Serizawa (Ken Watanabe)…

Godzilla hat definitiv seine Highlights, schafft es für meinen Geschmack aber nicht die Balance zu halten. Leider beschränkt sich dies nicht nur auf einen einzelnen Aspekt des Films, sondern auf nahezu jeden Faktor der dafür vorgesehen ist, diesen Monsterkracher zu stemmen.
Man nehme sich beispielsweise nur einmal die Darsteller zur Brust: Bryan Cranston, Aaron Taylor-Johnson, Ken Watanabe, David Strathairn, etc. etc.
Allesamt Schauspieler, die in einem popkulturellen Monsterstreifen hervorragend reinpassen würden. Nur leider folgt bereits nach wenigen Minuten die Krux: Denn in kaum einem anderen Film werden solch namhafte Darsteller ähnlich wie Pappkameraden verheizt. Stück für Stück. Ob Cranston sich als Verschwörungstheoretiker verdingen darf oder Ken Watanabe als Doktor ständig den Anschein erweckt, er wolle etwas sagen, nur um es immmer und immer wieder zu vergessen… hier fehlt das Feuer und das Leben in den Figuren. Es wird dem Zuschauer keinerlei Möglichkeit geboten, mit den Menschen mitzufiebern, Beziehungen untereinander nachzufühlen. Nichts, gar nichts kommt hier rüber, stattdessen werden die Figuren möglichst kommentarlos auf die Leinwand geklatscht. Und aus unsäglichen Gründen baut Edwards genau darauf auf. Er richtet den Fokus auf die Menschen, lässt die Kaijus zur Nebensache werden. Er zeigt die Katastrophe aus Sicht der Menschheit und man weiß auch als Zuschauer nur selten mehr als sie. Die Atmosphäre des Films gestaltet sich von Minute zu Minute bedrohlicher, wird düsterer und ernster. Eine Sogwirkung allein durch die Bildsprache könnte sich einstellen.
Nur wie soll hier etwas zünden, wenn einem die Charaktere so eindimensional und schablonenhaft, leblos und schier egal sind? Der Regisseur muss Sorge dafür tragen, den Zuschauer in das Geschehen einzubinden, ihn bei der Stange zu halten. Stattdessen setzt der Film verstärkt auf Monsteraction und Zerstörungswut, die einem die Figuren nur noch weiter in die Ferne rücken lassen. Da kann auch der sonst so sympathische Aaron Taylor-Johnson (Kick-Ass) in seiner Leadingrole als Armyboy nichts retten.  Denn genau wie seine Schauspielkollegen bleibt auch er zu blass.

Was bleibt also anderes übrig, als sich gezwungenermaßen den zwei Stunden gähnender Langeweile, die sich nebenbeibemerkt viel zu lange mit käsigen, klischeebelasteten und fremden Familienschicksalen beschäftigt, und/oder sich den in Wellen kommenden Zerstörungsintermezzi hinzugeben? Denn schon gleich zu Beginn wird in puncto Verwüstung ordentlich auf die Tube gedrückt. Allerdings beschränkt sich Edwards in den ersten beiden Dritteln des Films ausschließlich darauf, Godzilla immer nur anzudeuten ehe wieder ein elendiger Cut folgt, um somit auf die eigentliche Bedrohung zurückzukommen. Für solche fiesen Schnitte hätte man locker eine Strichliste anlegen können…
Als dann endlich, soll heißen 20 Minuten vor Schluss, Godzilla in seiner vollen (dicken) Pracht zu sehen ist, da muss man sich allerdings eingestehen, geht einem doch noch das Fanherz auf. Und dieser Schrei. Ganz große Klasse, da haben sich die Sounddesigner ordentlich ins Zeug gelegt, um dem Zuschauer eine Gänsehaut über den Rücken zu jagen.
Edwards hat sich ja auch mehr als genug Zeit dafür gelassen, die Bestie auf die Menschheit loszulassen. Für meinen Geschmack zu viel. Zwar ist Godzilla ein optischer Leckerbissen, aber als er dann endlich in Gänze zu sehen war, da war bei mir schon die Luft raus. Die Spannungsschraube wurde schon im Vorfeld mächtig überdreht, als das man damit noch etwas rumreißen hätte können.

Ein weiteres Manko ist die Tatsache, wie ernst sich dieser Film überhaupt nimmt. Das tut teilweise schon richtig weh. Bei so einem Film schwingt immer ein gewisser Trashaspekt mit. Da kann der Film noch so sehr auf düster und roh getrimmt sein, ein bisschen Lockerheit hat noch nie geschadet, und sei es nur wegen der Situationskomik. Doch selbst die massiven Logiklöcher, die mir sonst schnurzpiepegal wären, könnte man denn darüber lachen, werden hier so bierernst und trocken abgehandelt, dass einem das Lachen förmlich im Halse steckenbleibt. Und dass das 3D wiedermal eine einzige $$$-Frechheit ist, muss nicht noch zusätzlich erwähnt werden. Doch, denn gerade der Anfang erscheint hier unverschämt unscharf.

HALO-Sprung
HALO-Sprung

Das der Film für soviel unnötigen Schmuh ordentlich Schuppen lassen muss, sollte klar sein. Aber es gibt auch die ein oder andere wirklich ansehnliche Sache zu bestaunen, die den Film vor der Totalkatastrophe retten kann.
Als da wäre nämlich Godzilla an sich, wie bereits geschrieben. Die Introsequenz mit dem auf alte Schule getrimmten Video, was 1954 überhaupt passiert ist. Der HALO-Sprung, der einfach richtig dufte ausschaut, wenn sie durch die höllische Wolkendecke brettern. Die Quarantänezone in Tokio, die von der Optik und Atmosphäre extrem gut an „The Last of Us“ erinnert. Die Idee, den finalen Showdown in den Hintergrund zu rücken, nur um den Fokus auf die Menschen, bzw. unsere heroischen Armyboys zu lenken. Das hatte was, ungelogen. Und dann gibt es noch diese eine Szene, die ich mir ohne wenn und aber sofort an die Wand tackern würde. Denn für wunderbare Bilder hat Regisseur Edwards doch ein gutes Händchen bewiesen.

Insgesamt gesehen ist der Film also alles andere als gut geraten, was einen in Anbetracht des Hypes unzufrieden und unglücklich im Kinosessel zurücklässt. Das ganze Potenzial, die Idee dahinter. All das empfand ich als so angenehm anders. Aber diese grässlich farblosen Figuren und die strunzdoofe Ernsthaftigkeit wussten mich gekonnt eines entspannten Monster-Blockbuster-Abends zu berauben. Man muss es ja nicht gleich so ausarten lassen wie in der Emmerich Version, die im letzten Drittel eher an eine Jurassic Park-Parodie erinnerte, aber was schon allein ein Fünkchen mehr Balance hätte bewirken können… Das ist so unendlich schade, denn den Gedanken, die Geschichte rund um Godzilla so ernst und düster zu gestalten war durchaus löblich: Eine Atmospähre zu erschaffen, die auch ohne Kaijus schon bedrohlich wirkt. Das war durchaus da. Nun bleibt zu hoffen, dass der mittlerweile sogar offiziell bestätigte zweite Teil aus diesen zahlreichen Fehlern lernt und im Gesamtpaket ausgewogener wird. Denn die konsequente Idee ließ sich bereits erahnen. Nur wurde zuviel davon auf zu kleiner Flamme gebraten, als dass sich Godzilla zu einer ernsthaften Gefahr für die sich langsam anbahnenden Sommerblockbuster hätte entwickeln können. Und die vereinzelt eingestreuten Referenzen zu den alten Filmen konnten einem da auch nicht mehr als ein müdes Lächeln hervorzaubern.

Eines hat Gareth Edwards mit Godzilla aber trotzdem richtig gemacht: Zumindest die Lust auf die japanischen Ur-Filme ab 1954 ist wieder voll eingeschlagen. Vermutlich auch nur, weil ebenjener Charme dieser alten Filme im neuesten Streich arg kurz gekommen ist.

4/10 Punkte

Godzilla [Godzilla]godzilla_ver13
Jahr: 2014
Regie: Gareth Edwards | Drehbuch: Max Borenstein
Cast:
Aaron Taylor-Johnson
Bryan Cranston
Ken Watanabe
Elizabeth Olsen
David Strathairn
Sally Hawkins
Juliette Binoche

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2 Kommentare zu “Review: Godzilla (2014 US/JP)”

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