[Film] Naokos Lächeln (2010 JP)

Jetzt gehört die titelgebende Literaturvorlage schon nicht zur besten ihres Fachs. Warum also ausgerechnet Norwegian Wood die Popularität und Verfilmung nach sich ziehen durfte, entzieht sich meiner Erkenntnis.
Jedenfalls sollte nur kurz erwähnt werden, dass sich die Verfilmung von Naokos Lächeln einigermaßen eng an die Vorlage hält, jedoch die interessantesten Dinge ausklammert. Und das hat einen Grund.

Mit Trần Anh Hùng steht ein sehr poetischer Mann hinter dem Projekt, dessen Bildsprache sich in endlos erscheinenden und häufig statischen Einstellungen widerspiegelt. Eigentlich perfekt für Murakami-Stoff, der sich meist um das Innenleben seiner Figuren dreht. Da passt keine Hektik hinein, vielmehr möchte man sich vorstellen, wie gemächliche Einstellungen durchaus auch für innere Unruhe sorgen können. Anfangs gelingt es Anh Hùng auch ganz gut, eben diese Gefühle einzufangen, da er die Beziehung lebendig erscheinen lässt. Fast schon lebensbejahend, schickt er den jungen Studenten Toru Watanabe durchs Leben. Helle kräftige Farben und eine zackige Dynamik in der Erzählung, die trotz lang anhaltender Kameraeinstellungen, sowie fragmentarischem Szenenablauf in sich geschlossen agieren.  Es ist ein vielversprechender Beginn, ehe sich das Drama von seiner Last erdrückt sieht.

Es ist beileibe kein leichter Stoff, der hier verfilmt wird. Wie ihr bereits in der Buchbesprechung lesen konntet, entwickelt sich die Handlung zu einem zusehends deprimierenderen Drama, in welchem sich Tōru (Ken’ichi Matsuyama) zwischen zwei völlig konträren Frauen wiederfindet. Der zurückgezogenen Naoko (Rinko Kikuchi) und auf der anderen Seite die extrovertierte Midori (Kiko Mizuhara). Es wird zu einer Zerreißprobe für Toru und genau das ist das Problem bei der Verfilmung. Obwohl die Vorlage schon wenig Empathievermögen aufbringen konnte, gelingt es Anh Hùng zu keiner Zeit, eine Verbindung zu und zwischen den drei im Mittelpunkt der Geschichte stehenden Figuren aufzubauen. Die Distanz ist dabei von vornherein schon gegeben, aber sobald sich das Drama zuspitzt, kommt jegliches Feingefühl für die Personen abhanden. Die Eintellungen, welche lediglich zwischen Halbtotalen und alles überblickende Totalen wechseln, verleihen der vorherrschenden Distanz eine vermeintlich poetische Tiefe und zementieren diese. Doch genau das macht Naokos Lächeln nicht cleverer oder gar tiefgründiger. Viel eher wirkt es auf Dauer aufgesetzt und ideenlos, wie mit durchkalkulierten Mitteln an das Empfindungszentrum appeliert werden soll. Stattdessen verleihen diese Stilmittel dem Ganzen eine langatmige Schwere, die aufgrund der kaum aktivierten Sympathien zum Hauptcharakter ins Leere laufen. So entwickelt sich ein Schwermut, den der Film nicht mehr abschütteln kann.
Dafür ist jedoch auch das Drehbuch als verantwortlich zu bezeichnen, welches auf die belebenden Elemente der Buchvorlage verzichtet. Statt sich nämlich auf die kleinen Abenteuer einzulassen, die dank der Begegnungen für impulsive Momente sorgen, einzulassen, werden diese lediglich auf rudimentärster Ebene abgehandelt. Das potentielle Loveinterest der Midori kommt so erst gar nicht zur Geltung, ihre Macken noch weniger, und die in der Vorlage wichtige und nicht minder sympathische Reiko bleibt nicht mehr als eine blasse Randnotiz, die schneller wieder vergessen ist, als man Naoko sagen kann.

Mit Naokos Lächeln gelang Regisseur Trần Anh Hùng nichts weiter, als ein vermeintlich tiefschütfendes Drama, welches die eigentliche Essenz gekonnt unter den Teppich kehrt. Statt der Geschichte lebhafte Seiten abzuringen und so für Beziehungspunkte zu sorgen, döst alles gemächlich vor sich hin, ehe es in langatmigen Einstellungen verebbt.

3/10 Punkte

Naokos-Lächeln---PosterjpgNaokos Lächeln [Noruwei no mori]
Jahr: 2010 JP
Laufzeit: 133 Minuten
Regie: Trần Anh Hùng
Drehbuch: (+) | (liter. Vorlage: Haruki Murakami)
Musik: Jonny Greenwood
Kamera: Ping Bin Lee
Cast:
Ken’ichi Matsuyama, Rinko Kikuchi, Kiko Mizuhara, Kengo Kôra, Reika Kirishima, Eriko Hatsune, Tokio Emoto, Takao Handa

Bilder via pandorafilm.de [© Pandora Film]

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3 Kommentare zu “[Film] Naokos Lächeln (2010 JP)”

  1. Hm, klingt auch für mich gar nicht so sehr nach Murakami. Wo ist der seltsame, mysteriöse, surreale und mitunter wunderbar absurde Magic Realism?
    Aber gut, die andere Murakami-Adaption „Toni Takitani“ bekleckert ja sich auch nicht gerade mit Ruhm. Ist allenfalls noch „ganz nett“. 🙂

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    1. Der Magic Realism ist halt im Buch schon nicht wirklich rübergekommen. Mysteriös bleibt die Geschichte dennoch, sie fesselt nur leider gar nicht.
      „Toni Takitani“ kenne ich gar nicht. Werde ich mal googlen, aber in der Hinsicht bin ich derzeit ohnehin vollends gesättigt. 😉

      Gefällt 1 Person

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