[Film] Sunshine (2007 GB)

Sunshine-Header-2-(via-cilliansite.com)Wer die üblichen Verdächtigen aus Drehbuchschreiber Alex Garlands Feder kennt (28 Days Later; Ex_Machina), der weiß um die minimalistische Prämisse, mit dem seine Filme für gewöhnlich beginnen, was sich dann auch größtenteils durch den kompletten Film zieht. Alles wirkt auf den kleinsten Nenner gebracht (und das ist nicht negativ gemeint), Ausschweifungen gibt es kaum. Sie fühlen sich wie Kammerspiele auf mehreren Ebenen an und Sunshine aus dem Jahr 2007, unter der Regie von Danny Boyle, fügt sich nahtlos in dieses Schema ein.

Die Sonne stirbt. Die Crew der Ikarus II hat nur einen Auftrag: Nahe genug an der Sonne sollen sie eine atomare Bombe zur Detonation bringen, welche die Sonne, bzw. einen daraus resultierenden neuen Stern, von neuem erstrahlen lassen soll. Die letzte Chance der Menschheit, die sich auf der Erde einem solaren Winter ausgesetzt sieht und ihrem Ende nahe ist.

Audiovisuell ist Sunshine eine Wucht. Daran lässt sich nur schwer rütteln. Wer einmal die wunderschöne Sonne im Film gesehen hat, der sollte sich eigentlich genauso fühlen wie Searle (Cliff Curtis), der von diesem Anblick förmlich angezogen wird. Diese Bilder strahlen eine Ruhe aus. Selbst in hektischen Momenten bleibt sie entspannt, lässt sich vom Geschehen nicht ablenken. Dabei umschmiegen John Murphys sowie Underworlds ruhige, aber auch elektrisierende Klänge die Bilder in perfektem Maße, vermitteln in ihrer Musik Aussichtslosigkeit und doch Hoffnung. Sie sind ein intensives Erlebnis, was unter die Haut geht. Einfach wunderschön.

Weniger schön empfand ich allerdings den kompletten Rest des Films. Die Besetzung lässt dabei kaum Wünsche offen, vom immer gern gesehenen Cillian Murphy über Hiroyuki Sanada, von Chris Evans zu Michelle Yeoh. Und doch schaffte es kaum einer, mich fernab der schönen Bilder mit seiner Art zu fesseln. Außer Sanada und Murphy erschienen sie mir allesamt unsympathisch und viel zu klischeehaft, es nicht wert, um sie auf dieser immer heikler werdenden Mission zu bangen. Was ich allerdings dem Drehbuch ankreiden muss. Statt mich an die Hand zu nehmen, ließen mich Garland und Boyle im Regen stehen und lediglich dabei zusehen, wie eine denkwürdige Entscheidung nach der anderen gefällt wurde. Abgeholt wurde ich von ihnen als Zuschauer höchstens in den letzten Augenblicken noch einmal.
Sunshine ist ja beileibe kein inhaltsloser Science-Fiction Film. Von Hoffnung und Aufopferungsbereitschaft zur Zeit des nahenden Endes aller, über das Finale, was mich zu einiger Selbstreflexion brachte. Und doch… konnte mich das Geschehen selbst nicht in seinen Bann ziehen. Die Dramaturgie verebbte, weil kein Bezug zu den Figuren vorhanden war, die dunkle angespannte Atmosphäre wurde für ein actionlastiges und unnötig konventionell gehaltenes Finale geopfert, welches den Film viel zu früh und viel zu schnell selbst aus den Angeln hob. Der philosophische Gedanke dahinter mag zwar lobenswert sein, aber an der Umsetzung hakte es im direkten Vergleich doch gewaltig. Plötzlich sieht sich der Zuschauer mit einem experimentellen Schnittgewitter konfrontiert, was den Schluss vom restlichen Film abheben lässt und sich dem selbst angeschlagenen Grundton nicht fügen will, von der plötzlichen Action ganz zu schweigen.
Genau das ist etwas, was man von Alex Garland kennt: Einen gemächlichen Einstieg, der dann von einem unpassend aufbrausenden Finale übertüncht wird. War 2002 in 28 Days Later schon nicht anders, ist auch drei, beziehungsweise fünf Jahre später in Sunshine nicht anders. Bei Ex_Machina hingegen war es bemerkbar, wie er sich selbst zügelt um sich in seinem Plot nicht zu überschlagen, was sein Regiedebüt wie aus einem Guss erscheinen ließ. So etwas wäre hier nur allzu begrüßenswert gewesen.

Theoretisch betrachtet ganz einfach
Eigentlich ganz einfach

Sunshine verfügt, wie man es von Danny Boyle gewohnt ist, über eine audiovisuelle Wucht der man sich nur schwer entziehen kann. Leider sorgen die Klemmbrettfiguren sowie das große Finale für Unmut, was den Film selbst zu einem sperrigen und leidlich unschönen Spektakel verkommen lässt, was höchstens im letzten Augenblick das zeigt, was es hätte werden können.

5,5/10 Punkte

Sunshine-Poster-(via-impawards.com)Sunshine
Jahr: 2007 GB
Regie: Danny Boyle | Drehbuch: Alex Garland
Cast:
Cillian Murphy, Chris Evans, Rose Byrne, Michelle Yeoh, Mark Strong, Cliff Curtis, Troy Garity, Hiroyuki Sanada, Benedict Wong

Bilder via screenmusings.org; cilliansite.com; impawards.com

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10 Kommentare zu “[Film] Sunshine (2007 GB)”

  1. Ich mochte den Film deutlich mehr. Inzwischen habe ich ihn auch schon zweimal gesehen (und zwei Kritiken dazu geschrieben) und beim zweiten Mal hat er mir deutlich besser gefallen, da ich speziell das letzte Drittel besser einordnen konnte. Verstehe aber deine Kritikpunkte voll und ganz.

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  2. Ich finde den Film sehr gut gelungen – nur das Ende….ja… du schreibst es ja eh schon….
    Aber das Ende sollte nicht den gesamten Film werten, da er dennoch sehenswert bleibt!

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    1. Macht er auch nicht. Mich konnte er abgesehen vom optisch musikalischen Standpunkt so gut wie gar nicht packen. Darin liegt ja der Hund begraben. Das Ende… darüber kann und wird man sowieso streiten können.

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  3. Abgefahrener Zufall, ich hab mit vor kurzem aus UK ne Boyle Boy bestellt und (ohne deine Wertung oder Review mitbekommen zu haben) den Film auch vorhin Zeit geguckt 😀 Hammer!

    Finde ihn übrigens viel besser als du – bei der zweit-Sichtung eben hat fast alles gepasst. Beim ersten mal hat mich das Horror-Element am Ende etwas befremdet, eben viel mit aber auf, dass die Stimmung das lange vorher schon aufbaut…

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    1. Sachen gibt’s… 😀 Hatte vorgestern richtig Bock drauf. Leider war es schon etwas spät.
      Schätze aber, dass er bei der Zweitsichtung wesentlich besser gefallen wird. Bekomme das ja gerade von sämtlichen Kanälen zu hören. ^^

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  4. Ohje, da muss ich meine willing suspension of disbelief aber ganz schon strapazieren, die Sonne einfach so erlischen zu sehen und dabei nicht innerlich zu schreien. 😳
    Nach deiner Rezension fällt der für mich unter „Schauen, wenn er im TV läuft“. 😉

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