[Film] To End All Wars – Die wahre Hölle am River Kwai (2001 US)

Leichte Spoiler voraus!

Als Kind habe ich die Sache mit Hoffnung und passivem Widerstand nie so recht verstanden. Ich wusste zwar um was es geht, auch manche Folgen waren mir durchaus bewusst, aber es hat nie für ein Bild gereicht, dass sich im Kopf festsetzt. Etwas, das diese Thematik nicht nur zeigt, sie auch wirklich vorlebt und zeigt, dass es durchaus möglich ist, Konflikte ohne Gewalt im Zuge der Reaktion zu bewältigen. Hätte ich damals doch einfach nur To End All Wars gesehen…

„When you surrender in war, you’re stripped of your dignity as a soldier. And all you’ve got left is your fellow comrades, many of whom you’ve just met.“

Es ist schon erstaunlich, wie zwei Filme mit der an sich gleichen Thematik vollkommen unterschiedlich umgehen können. Denn David L. Cumminghams Kriegsdrama griff 1994 bereits ein Thema auf, das sich heute The Railway Man mit Colin Firth annimmt. Und unterschiedlicher könnten diese beiden Filme nicht sein. Außer dass in beiden der Name Takeshi Nagase fällt und es um den Bau einer Eisenbahnlinie geht…

„To End All Wars“ beginnt mit den stolzerfüllten Worten Ernest Gordons (Ciarán McMenamin), der die Wehrpflicht deutlich seinem Studium vorzieht, in der Hoffnung die Welt zu sehen und zu verbessern. Voller Tatendrang steckt der Bursche, der in den Kommandeuren seiner Abteilung glorreiche Helden sieht.
Dann der Schnitt.
Ein Lastwagen transportiert eine Einheit der Alliierten in ein japanisches Arbeitslager. Unter ihnen Gordon. Der Krieg wie er ihn sich vorstellte ist vorbei, von nun an muss er die Kriegsgefangenenschaft in den Tiefen des thailändischen Dschungels über sich ergehen lassen. Wie lange kann sich der junge Soldat an seine Überzeugungen klammern?

Dieses Kriegsdrama ist nüchtern, schonungslos und fast schon ungehemmt dokumentarisch gehalten, ohne dabei zu langweilen. Vielmehr geht von der anfänglichen Naivität Gordons eine Faszination aus, die sich allmählich in eine vollkommen gegensätzliche Richtung entwickelt, um im gnadenlosen Kampf gegen Unterdrückung und ständiger Todesangst zu bestehen. Dabei wird die Gewalt seitens der Japaner, die auf fehlerhaftes Verhalten folgt, nicht in den Fokus gestemmt, sondern als notwendiges Übel gezeigt, dem eine charakterliche Wendung folgt. Vom aggressiven Territorialkampf selbst unter den Gefangenen – am Ende ist sich eben jeder selbst am nächsten – zum passiven Widerstand: Wenn dich dein Feind schlägt, dann halte ihm auch die andere Wange hin. Eine abgenutzte Phrase, doch hier ist sie das Mittel zum Zweck. Und das muss Gordon lernen, das müssen auch seine Kameraden lernen. Denn ihr einziges Ziel ist es, lebend aus diesem dreckigen Loch zu entkommen. Sie müssen hoffen, lange genug zu überleben, bis sie befreit werden. Und wie sie das bewerkstelligen, ist bemerkenswert. Es ist weder eine Form der Resignation, noch eine frontale Kampfansage…
Es ist im Prinzip so simpel und doch kann es nicht jeder. Ob manche Menschen so veranlagt sind, oder ob es einfach nur eine Kopfsache ist: Dieser Kampf ohne Gewalt, dafür braucht es innere Stärke. Und die bringt Gordon mithilfe des alteingesessenen Dusty (Mark Strong) seinen Männern nach und nach bei. Denn nur so können sie es schaffen, die Hoffnung auf Leben nach der Gefangenschaft aufrechtzuerhalten.

„What is the consequence of a single life weighing less than a feather? What is the final destination of hatred? When you look in the eyes of the enemy and you see yourself. At what price mercy? Who is my neighbor? How many times shall I forgive my brother? What does it mean to love ones enemies? What can a man give in exchange for ones soul? These are the questions that I faced in my prison camp; the answers changed my life forever.“

To End All Wars ist ein Drama der ruhigen Töne. Zwar sind die schweißnassen Bilder zuweilen unerträglich, doch ist es kein Film, an dem man sich der Gewalt wegen ergötzt. Hier geht es nicht um Gewalt. Hier geht es um Hoffnung und Stärke, die nicht in den Armen und auch nicht im Kopf existiert, sondern im Herzen. Und genau darin liegt die Stärke in David L. Cunninghams Werk, das auch auf ungeschönte Weise zeigt, was es heißt Hoffnung zu haben. Da verzeihe ich dann auch das platte und doch etwas zu leicht gestrickte Ende…

7/10 Punkte

To-End-All-Wars---Poster-(via-jollyblogger.typepad.com)To End All Wars – Die wahre Hölle am River Kwai [To End All Wars]
Jahr: 2001 US
Regie: David L. Cunningham | Drehbuch:  Brian Godowa; liter. Vorlage: Ernest Gordon
Cast:
Ciarán McMenamin, Robert Carlyle, Kiefer Sutherland, Mark Strong, Yugo Saso, Sakae Kimura, James Cosmo, Masayuki Yui, John Gregg, Shû Nakajima, Greg Ellis, Pip Torrens, James McCarthy, Brendan Cowell

Trailer (orig.):

Bilder via cinefacts.de; kino.de, wingclips.com [© Argyll Film Partners]

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5 Kommentare zu “[Film] To End All Wars – Die wahre Hölle am River Kwai (2001 US)”

  1. Ich kenne nur „The Bridge on the River Kwai“. 😳
    Selbes Thema, andere Perspektive, da französischer Autor. Aber dieser Film hat mich damals, so vor 15+ Jahren, ziemlich beeindruckt, seitdem hab ich ihn aber nicht mehr gesehen.
    Solche Filme sind unglaublich wichtig, damit wir nicht vergessen, und damit wir nicht wieder auf solche bescheuerten Ideen kommen und unsere Menschlichkeit auf den Müllhaufen werfen.

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    1. Jo, den kenne ich auch, habe ihn aber auch vor so +/- 15 Jahren mal gesehen. Er war ziemlich gut.
      Ja, das stimmt. Aber selbst wenn man diese unzähligen Filme den Zuständigen im Kollektiv zeigen würde, es würde ja doch nichts ändern. Dafür ist die Menschheit einfach zu verbohrt…

      Gefällt 1 Person

  2. Apropo ich habe gerade gar keine Ahnung ob dass hier hinein passt, aber beim Thema Krieg und Widerstand fällt mir der Film ‚The Cut‘. Ich kenne kaum jemanden der ihn gesehen hat und würde ihn dir empfehlen. Ich bin selbst zwar kein riesiger Fathi Akim Fan, aber dieser ist wirklich gelungen.

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